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NASDAQ-100: Ein Signal, das es in über 40 Jahren erst einmal gab

| Thomas Behnke

Aufwärtstrend im Börsenchart mit blauer Linie als Symbol für die Rally im NASDAQ-100
Der NASDAQ-100 zeigt technische Stärke: Seit 61 Tagen liegt der Index über der 20-Tage-Linie – ein Signal von historischer Seltenheit. (Foto: shutterstock)

NASDAQ-100 mit außergewöhnlicher Stärke: Seit 61 Tagen liegt der Index über der 20-Tage-Linie. So eine Serie gab es erst einmal in über 40 Jahren – was Anleger jetzt wissen sollten.

Der NASDAQ-100 hat seit seinem Korrekturtief im April eine beeindruckende Rally hingelegt, neue Allzeithochs inklusive. Auch die Dynamik dieser Bewegung ist bemerkenswert, wie ein technischer Indikator eindrucksvoll zeigt. Was genau dahintersteckt und welche Rückschlüsse sich daraus ableiten lassen oder eben nicht, zeigt dieser Bericht.

Aufwärtsdynamik im NASDAQ-100: Korrekturen sind unvermeidlich, nur das Wann ist offen

Ein Rekord jagt den nächsten, und ein Kursplus von über 25 Prozent seit April ist zweifellos eine beeindruckende Marke. Man könnte fast den Eindruck gewinnen, der NASDAQ-100 kenne kein Limit nach oben. Doch auch hier gilt: Die sprichwörtlichen Bäume wachsen nicht in den Himmel. Eine Korrektur oder gar ein Bärenmarkt wird früher oder später kommen.

Wie so oft an der Börse bleibt die große Unbekannte der Zeitpunkt. Niemand weiß, wann es zu einem kurzfristigen Rücksetzer oder einer nachhaltigen Trendwende kommt – auch im KI-Zeitalter ist die sprichwörtliche Glaskugel noch nicht erfunden.

Für Investoren bedeutet das: aufmerksam bleiben und nach Schwächesignalen Ausschau halten. Jeder Anleger sollte dafür einen individuell passenden Werkzeugkasten bereithalten. Dazu zählen bei vielen auch charttechnische Hilfsmittel wie gleitende Durchschnitte. Diese helfen, Trends objektiv zu beurteilen: Verläuft der Kurs über längere Zeit oberhalb eines gleitenden Durchschnitts, spricht das für einen Aufwärtstrend – und umgekehrt.

Technologieindex über 20-Tage-Linie: Eine historische Serie nimmt ihren Lauf

Im kurzfristigen Zeitfenster gilt die 20-Tage-Linie als gängiger Referenzwert. Aktuell weist der NASDAQ-100 in diesem Zusammenhang eine bemerkenswerte Konstellation auf: Der Index hat inzwischen an 61 aufeinanderfolgenden Handelstagen oberhalb der 20-Tage-Linie geschlossen. Eine solche Serie ist statistisch äußerst selten. In der gesamten Historie des Index gab es nur eine längere Phase, nämlich während des Dotcom-Booms von Oktober 1998 bis Februar 1999 mit 77 Handelstagen.

Top-5-Serien:

  1. Oktober 1998 bis Februar 1999: 77 Tage
  2. April 2025 bis Juli 2025: 61 Tage (Serie läuft aktuell noch)
  3. Januar 1987 bis März 1987: 59 Tage
  4. April 2020 bis Juni 2020: 57 Tage
  5. November 1988 bis Februar 1989: 57 Tage

Ein Blick in die Statistik zeigt zudem, wie außergewöhnlich solche langen Serien sind. Die typische Länge (Median) beträgt gerade einmal 5,5 Handelstage. Damit hebt sich die aktuelle Entwicklung deutlich vom historischen Normalmaß ab.

Rückblick 1999: Was lange Serien bedeuten und was nicht

Und welche Bedeutung hat das nun? Zunächst einmal: keine unmittelbare. Die Länge der aktuellen Serie ist in erster Linie eine statistische Besonderheit – zweifellos bemerkenswert, aber ohne direkten Prognosewert.

Rückschlüsse auf eine bevorstehende Korrektur lassen sich daraus nicht ableiten. Vielmehr unterstreicht die Entwicklung die deutliche Stärke des aktuellen Aufwärtstrends im NASDAQ-100.

Wann der Technologieindex in die nächste Korrekturphase eintritt, bleibt offen. Kommt es jedoch dazu, könnte die 20-Tage-Linie zunächst als technische Unterstützung fungieren – und bei entsprechender Bestätigung sogar eine neue Einstiegsgelegenheit bieten. Sollte der Index diese Linie hingegen nachhaltig unterschreiten, wäre zumindest kurzfristig mit einer deutlicheren Gegenbewegung zu rechnen. Nach der starken Aufwärtsdynamik der vergangenen Monate wäre das jedoch nicht ungewöhnlich.

Ein Blick in die Vergangenheit bestätigt dieses Muster: Nach dem Bruch der 20-Tage-Linie im Februar 1999, nach der Serie von 77 Handelstagen darüber, verlor der NASDAQ-100 zunächst über 7 Prozent. Insgesamt kam es in der Folge zu einer Korrektur von 13,5 Prozent. Doch das war nicht das Ende der Rally: Bis zum Hoch der Dotcom-Blase im März 2000 legte der Index anschließend noch mehr als 150 Prozent zu.

Zwischen Rally und Rücksetzer: Wie Anleger mit Weitsicht profitieren

Ob die aktuelle Rally ebenfalls nur eine Zwischenstation auf dem Weg zu deutlich höheren Kursen ist, bleibt abzuwarten. Fest steht jedoch: Märkte verlaufen selten geradlinig – Rückschläge gehören selbst in starken Aufwärtstrends dazu. Wer vorbereitet ist und über geeignete Werkzeuge verfügt, kann solche Korrekturen nicht nur aushalten, sondern sie sogar strategisch für den eigenen Einstieg oder Nachkauf nutzen.

Die aktuelle Serie ist somit nicht als Panikfaktor zu beurteilen, sondern als Ausdruck bemerkenswerter Trendstärke. Erst ein Bruch dieser Durchschnittslinie – und vor allem ein nachhaltiger Bruch – könnte ein Signal für eine temporäre Schwächephase liefern. Bis dahin überwiegt die Aussagekraft des Trends.

Gerade in solchen Phasen gilt es, einen kühlen Kopf zu bewahren. Entscheidend ist nicht, was man vermutet, sondern was der Markt tatsächlich zeigt. Oder anders gesagt: Handle nicht, was du denkst, sondern was du siehst.

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