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Märkte > Führungswechsel 2026

Der neue Buffett

| Oliver Götz

Greg Abel in einer Ausstellungshalle in Omaha.
Greg Abel (Mitte) besichtigte die Flugsimulatoren des zur Unternehmensgruppe gehörenden Unternehmens FlightSafety. (Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Josh Funk)

In wenigen Monaten wird Greg Abel CEO von Berkshire Hathaway. Er tritt in monströse Fußstapfen und könnte das Mega-Konglomerat auf Effizienz trimmen.

Dass Greg Abel einmal Warren Buffetts Nachfolger an der Spitze von Berkshire Hathaway werden würde, war schon lange bekannt. Und doch stand dem 62-Jährigen Abel die Überraschung ins Gesicht geschrieben, als der 94-Jährige Buffett auf der diesjährigen Hauptversammlung in Omaha Nägel mit Köpfen machte, seinen Rücktritt ankündigte und Abel, der neben ihm saß, als neuen CEO vorstellte – ab 2026. Abel war vorab nicht informiert worden. Buffett erklärte, er habe es im Vorfeld nur seinen beiden Kindern erzählt.

Aus einem „Irgendwann“ wurde so auf einmal ein „in Kürze“. In ein paar Monaten wird Abel nun ein Erbe antreten, das anspruchsvoller kaum sein könnte. Er tritt in nicht weniger als in die Fußstapfen des wohl bekanntesten Investors der Welt, der aus einer kleinen Textilfirma ein 80 Unternehmen umfassendes Konglomerat mit rund 400.000 Mitarbeitern hat entstehen lassen, inklusive einem rund 250 Milliarden Dollar schweren Aktienportfolio. Abel übernimmt nicht nur einen Konzern-Chefsessel, er übernimmt das Lebenswerk eines Mannes, um den und dessen Investmentstrategie fast schon ein „Kult“ entstanden ist. Zur Berkshire-Hauptversammlung pilgerten in diesem Jahr einmal mehr zehntausende Aktionäre, weshalb die Veranstaltung auch als das „Woodstock der Kapitalisten“ bezeichnet wird. Die Berkshire-A-Aktie ist heute die teuerste Aktie der Welt. Wer 1965 einen US-Dollar investiert hätte, besäße heute 3,76 Millionen.

Buffett voll des Lobes

Wie lässt sich das noch toppen? Ein Zitat von Buffett aus dem Jahr 2021 dazu lautet: „Greg wird erfolgreicher sein als ich, und wenn ich etwas anderes sagen würde, würde meine Nase wachsen.“ Weiter hatte Buffett damals gelobt: „Irgendwie hat sein Tag mehr als 24 Stunden, wenn man bedenkt, was er alles schafft.“

Abel wuchs in einfachen Verhältnissen im kanadischen Edmonton auf – klassisches Arbeitermilieu. Er verdiente Geld mit dem Austragen von Prospekten, sammelte Pfandflaschen, befüllte Feuerlöscher. Nach Abschluss seines Wirtschaftsstudium an der Universität von Alberta, begann er seine Karriere bei PriceWaterhouseCoopers in San Francisco. Später wechselte er in die Energiebranche, kletterte die Karriereleiter bis zum President von MidAmerican Energy, das 1999 von Berkshire übernommen wurde. Unter dem neuen Dach der Holding wurde Abel CEO von MidAmerican und formte das Unternehmen durch geschickte Übernahmen zur Berkshire Hathaway-Energy-Holding. 2008 schaffte er den Sprung ins Top Management und wurde zu einem der engsten Verstrauten von Warren Buffett.

Stiller Arbeiter und Effizienz-Junkie

Abel ist keiner, der sich groß inszeniert. Ähnlich Buffett, der seit 1958 in demselben Einfamilien-Haus in Omaha, Nebraska, wohnt, lebt auch er angesichts seines geschätzten Vermögens von mehr als einer Milliarde Dollar, ohne großen Pomp in Des Moines, Iowa und trainiert dort regelmäßig die Hockey- und Fußballmannschaften seiner Kinder.

Ein stiller Arbeiter also, der mit Managementkompetenz überzeugt, statt mit Prunk zu prahlen. Das passt zu Buffett. Gleichwohl könnten mit Abel als CEO bei Berkshire die Daumenschrauben angezogen werden. Abel gilt als zahlen- und detailversessen, als Pragmatiker und konsequenter Macher. Bei den Übernahmen von PacifiCorp und NV Energy prüfte Abel als Chef von Berkshire Hathaway Energy genaustens die Geschäftsmodelle und führte die Verhandlungen selbst. Häufig wird dies bei Übernahmen in der Regel an Investmentbanken übergeben.

„Er duldet keine schlechte Leistung“, sagt der Berkshire-Kenner Larry Cunningham und hält ihn deshalb für „zielorientierter“ als Buffett. Spannend dürfte dahingehend auch werden, inwieweit Abel die hohen Cash-Reserven in Höhe von 350 Milliarden Dollar für neue Akquisitionen nutzt. Denkbar, dass Abel hier noch konsequenter nach neuen Deals sucht, um diesen „Schatz“ in mehr Rendite umzumünzen, als dies bislang der Fall war.

Zunächst aber verliert Berkshire mit Buffett sein wohl wertvollstes Asset. Das zeigt auch die Aktienkursentwicklung. Seit Bekanntwerden von Buffetts Ausscheiden haben Berkshire-Titel rund 13 Prozent an Wert verloren. Kurz zuvor hatten sie noch ein neues Rekordhoch erreicht. Abel muss ab dem kommenden Jahr mit harten Fakten, also Zahlen und Ergebnissen überzeugen. Denn „es gibt keinen zweiten Warren Buffett“, sagt Ron Olson, Mitglied im Vorstand von Berkshire. Aber Abel zeige einige Grundzüge dessen und „er ist mit Sicherheit sehr integer, ein harter Arbeiter, ein strategischer Denker“. Und deshalb vielleicht für die ein oder andere Überraschung gut.

Berkshire Hathaway A-Aktie

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