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Märkte > Risiko Japan

Japanische Renditen steigen vor der Wahl: alte Risiken in neuer Schärfe

| Redaktion Börse am Sonntag

Notizkarte mit der Aufschrift „Rising Bond Yields“ vor Japans Nationalflagge – Symbol für steigende Anleiherenditen und Zinsrisiken.
Japans steigende Anleiherenditen rücken kurz vor der Oberhauswahl verstärkt in den Fokus der Märkte. (Foto: Shutterstock)

Vor Japans Oberhauswahl steigen die Renditen deutlich. Altbekannte Risiken geraten erneut in den Fokus – mit potenziellen Folgen für Anleihemärkte, Kapitalströme und das Vertrauen ins globale Finanzsystem.

Der Markt für japanische Staatsanleihen sorgt erneut für Schlagzeilen. Seit Anfang Juli ziehen die Renditen für langfristige Papiere deutlich an. Besonders markant: Die Rendite der 20-jährigen JGB hat mit zwischenzeitlich 2,645 Prozent ihr bisheriges Hoch aus dem Mai bei 2,613 Prozent überschritten. Die 30-Jährigen, die erstmals 1999 aufgelegt wurden, kletterten mit 3,2 Prozent sogar über ihr bisheriges Rekordniveau von 3,197 Prozent hinaus, das ebenfalls im Mai markiert worden war.

Auch die Rendite der 10-jährigen Anleihen, auf die an den Finanzmärkten ein besonders großes Augenmerk liegt, ist mit zuletzt 1,59 Prozent in den Bereich der Zwischenhochs vorgerückt, die im März und Mai dieses Jahres markiert wurden. Damit erreicht sie erneut den höchsten Stand seit der Finanzkrise 2008. Was steckt hinter dieser Entwicklung – und bedeutet das eine neue Gefahr für die Finanzmärkte?

Politische Unsicherheit treibt japanische Zinsen

Ein wesentlicher Grund für den Renditeanstieg liegt wohl in der politischen Unsicherheit vor den Oberhauswahlen am 20. Juli. Umfragen deuten darauf hin, dass die Regierungskoalition von Premierminister Kishida an Zustimmung verlieren könnte. Die Nervosität der Investoren nimmt zu, nicht zuletzt wegen wachsender Spekulationen, dass ein Wahlsieg oppositioneller Kräfte neue Ausgabenprogramme und damit eine Ausweitung der ohnehin extrem hohen Staatsverschuldung mit sich bringen könnte. Angesichts einer Verschuldung von rund 235 Prozent des BIP wären zusätzliche fiskalische Belastungen ein ernstzunehmender Faktor.

Zentralbank zieht sich aus dem Markt zurück

Gleichzeitig reduziert die Bank of Japan wie angekündigt schrittweise ihre Anleihekäufe und entfernt sich von ihrer langjährigen Kontrolle der Zinskurve. Die Nachfrage nach langlaufenden Anleihen trifft somit auf ein schrumpfendes Käuferuniversum. Klassische Inlandsinvestoren wie Versicherungen oder Versorgungswerke zeigen sich ebenfalls zurückhaltender. Das Resultat: sinkende Kurse, steigende Renditen.

Zinsanstieg bringt globale Märkte unter Druck

Was in Tokio beginnt, könnte auch anderswo Wirkung entfalten. Höhere japanische Renditen machen Yen-Investments attraktiver und setzen sogenannte Carry Trades unter Druck. Kapital könnte aus US-Staatsanleihen oder europäischen Anleihen zurück nach Japan fließen. Das verstärkt den Aufwärtsdruck auf Renditen weltweit, insbesondere dann, wenn Japan als Anker der globalen Niedrigzinsphase wegbricht.

Wahlausgang wird zum Marktrisiko

Japan bleibt damit ein Land mit Signalwirkung. Der Renditeanstieg der vergangenen Wochen ist mehr als ein markttechnisches Detail. Er legt strukturelle Verwundbarkeiten in einem hochverschuldeten und stark regulierten Finanzsystem offen. Ob daraus eine ernsthafte Belastung wird, hängt nun auch vom Ausgang der anstehenden Oberhauswahl ab.

Sollten sich politische Unsicherheit und fiskalische Risiken verschärfen, dürfte der Druck auf den Anleihemarkt weiter zunehmen. Setzt sich der Renditeanstieg fort, wäre ein neuerlicher Stressmoment im Finanzsystem denkbar, nicht nur in Japan, sondern auch global. Der Wahlausgang in Tokio ist daher weit mehr als ein innenpolitisches Ereignis. Er ist ein Risikofaktor, den Investoren zunehmend auf dem Radar haben sollten.

Japans Finanzmärkte haben in der Vergangenheit mehrfach gezeigt, wie lokale Impulse globale Schockwellen auslösen können. Ein Beispiel ist der März 2024, als das Ende der Negativzinspolitik eine weltweite Umstellung von Kapitalströmen auslöste.

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