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Märkte > Ludwig-Erhard-Gipfel 2026 - Tegernsee Summit

„Energie wird immer ein knappes Gut sein“: Europa sucht neue Lösungen

| Christoph Sackmann | Lesezeit: 5 Min.

Fünf Personen bei einer Podiumsdiskussion auf einer Bühne des Ludwig-Erhard-Gipfels.
Auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel diskutiert ein Panel über Europas Energiepolitik in Krisenzeiten. Versorgungssicherheit soll künftig durch einen breiteren Energiemix entstehen. (Foto: Weimer Media Group)

Europa steckt erneut in der Energiekrise. Auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel diskutieren Experten, warum Energiemix, Gaskraftwerke, Biomethan und Kernfusion entscheidend werden.

Bis zu zwölf Millionen Barrel pro Tag fehlen dem globalen Ölmarkt derzeit wegen des Iran-Krieges. „Das erinnert mich an das erste Corona-Jahr“, sagt Greg Hands, ehemaliger Handelsminister Großbritanniens, auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel. „Damals waren es acht Millionen Barrel und das führte bereits zu einer großen Krise.“ In Deutschland sind es vor allem die Spritpreise, die deswegen nach oben schießen. Kerosin für die Luftfahrt wird nicht nur teuer, sondern auch rar. Für Heike Freund, COO des Kernfusions-Unternehmens Marvel Fusion aus München, ist das kein vorübergehender Zustand. „In unserer Lebenszeit wird Energie wohl immer ein knappes Gut sein“, sagt sie.

Die Frage für die Politik ist also, wie sie diesen Mangel am besten moderiert. Weltweit läuft gerade eine Energiewende, bei der vor allem fossile Energien wie Öl und Kohle keine Rolle mehr spielen sollen. Doch was kommt dann? Hands erinnert an den Ausspruch des berühmten britischen Premierministers Winston Churchill: „Sicherheit und Verlässlichkeit liegen in Vielfalt – und allein in Vielfalt.“ Das ist allerdings leicht abgewandelt, denn Churchill sprach nicht wie Hands meint über verschiedene Energie-, sondern Ölquellen.

Trotzdem lässt es sich auf die heutige Situation übertragen: „Wir brauchen mehr verschiedene Energiequellen: erneuerbare Energien, Erdgas, Kernkraft aber auch neue Technologien wie Kernfusion und Gezeitenenergie“, sagt der ehemals dafür zuständige Minister.

Kernfusion und Biomethan

Aus Deutschland sind zwei Gäste eingeladen, die genau für diese Vielfalt stehen. Marvel Fusion gründete sich 2019 in München. „Fusionsenergie wäre die ideale Grundlast in Zukunft“, sagt Freund. Doch diese Zukunft wird bei der Kernfusion immer weiter nach hinten verschoben. Die technologischen Fortschritte kommen nur langsam, bisher gibt es nur Labor-Reaktoren. Freund ist optimistisch: „80 Prozent aller in dem Bereich arbeitenden Unternehmen glauben, dass sie in den 2030er Jahren die ersten Kraftwerke ans Netz bringen“, sagt sie.

Die Bundesregierung will die Branche dabei unterstützen. Der Koalitionsvertrag von Union und SPD hat ehrgeizige Ziele gesetzt. So soll das erste kommerzielle Fusionskraftwerk in Deutschland entstehen. Der Standort München hat gute Chancen, weil hier gleich mehrere Startups an der Technologie arbeiten. Die Regierung will in den kommenden Jahren auch einen eigenen regulatorischen Rahmen für Fusionskraftwerke erarbeiten, so dass diese auch rechtssicher operieren können.

Bis die Kraftwerke stehen, werden aber noch mindestens zehn Jahre vergehen. Bis sie Strom in großen Mengen liefern noch mehr. Auch erneuerbare Energien werden noch mindestens ein Jahrzehnt brauchen, bis Kraftwerke und Netze weit genug ausgebaut sind. Zwar liegt ihr Anteil an der Stromerzeugung in Deutschland schon bei mehr als 60 Prozent, am gesamten Energieverbrauch aber bei weniger als 20 Prozent. „Wenn wir ein Industrieland sein wollen, können wir uns also nicht vollständig von fossilen Energien entkoppeln“, sagt Achim Schröder aus dem Vorstand der Westenergie.

Dieses Problem haben sowohl die jetzige Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) als auch ihr Vorgänger Robert Habeck (Grüne) erkannt. Beide setzten deswegen Kraftwerkstrategien auf, die auf den Bau von Gaskraftwerken setzen. „Der Plan stimmt, aber wir brauchen jetzt die Umsetzung“, mahnt Schröder an. Eigentlich sollen die Kraftwerke schon 2030 einen nennenswerten Beitrag leisten, vor allem dann, wenn Wind und Sonne weniger stark liefern. Passiert ist bisher aber wenig.

Klar ist aber: „Es wird auch in den kommenden 20 Jahren noch Bedarf an fossilen Energien geben“, sagt Jörg Selbach-Röntgen. Der CEO des Startups biogeen aus Bayern hat sich dabei auf Biomethan spezialisiert. Das fristet derzeit noch ein Nischendasein auf dem Energiemarkt. Zuletzt bekam es aber als Teil so genannter Grüngase Aufmerksamkeit, weil diese im neuen Gebäudeenergiegesetz eine Rolle spielen. „Das kam ein bisschen plötzlich“, sagt Selbach-Röntgen. „Deswegen müssen wir jetzt als Branche noch viel erklären.“

Es braucht einen Energiemix

Dabei hätte er sich ambitioniertere Ziele der Bundesregierung gewünscht. „Die angedachte Quote ist jetzt nichts, was uns an unsere Grenzen bringt“, sagt der CEO. Er könnte mehr Biomethan liefern als in den bisherigen Plänen angedacht. Möglicherweise geht das deswegen an einen großen, namentlich nicht genannten US-Kunden. Der möchte in Bayern ein Rechenzentrum bauen und denkt über ein eigenes Biogas-Kraftwerk nach, um das zu betreiben. Größenordnung: Die Hälfte alles bisher in Deutschland produzierten Biomethans.

Keiner der Anwesenden ist so naiv zu glauben, dass nur seine Technologie rettend für den deutschen Energiemarkt sei. Hands fasst es am besten zusammen: „Das Wichtigste ist, dass wir in Zukunft viel mehr Energie insgesamt brauchen. Dann sollten wir darüber reden, aus welchen Quellen die kommen sollte.“ Er selbst plädiert für einen Mix aus Wind, Solar und Kernkraft, lieber Fusion als Spaltung. Nur bei einem sind sich alle einig: „Wir werden das nicht mit fossilen Energien schaffen“, sagt Hands.

Sie können den Ludwig-Erhard-Gipfel live unter www.leg-live.de verfolgen.

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