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Zwischen Fake und Fakten: „Meinungsäußerung ist kein Journalismus“

| Christoph Sackmann | Lesezeit: 3 Min.

Podiumsdiskussion mit mehreren Personen auf einer Bühne beim Ludwig-Erhard-Gipfel.
Podiumsdiskussion auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel zum Thema „Zwischen Fake und Fakten“. Medienchefs diskutierten über KI, Social Media, Glaubwürdigkeit und die Zukunft des Journalismus. (Foto: Weimer Media Group)

KI, Social Media und Influencer setzen klassische Medien unter Druck. Medienchefs diskutieren, wie Journalismus Vertrauen, Glaubwürdigkeit und Nutzerbindung sichern kann.

Beim Radiosender Antenne Bayern wagte Valerie Weber zuletzt ein Experiment. Die Vorsitzende der Geschäftsführung rief einen neuen Sender ins Leben. Der Clou: Alles an ihm wurde von einer KI bestimmt: Das Programm, die Musikauswahl, die Nachrichten, selbst die Zielgruppe. Menschen griffen kaum noch ein. „Die KI wählte junge Männer als Ziel, weil sie meinte, diese seien neuen Medien gegenüber am ehesten zugänglich“, erzählt sie auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel. Weber ließ sie gewähren. „Wir wollten wissen, was das mit den Hörern, aber auch mit uns macht.“ Nur bei einem Punkt griff die Programmchefin ein. „Am Ende dachten wir uns, dass ein neuer Sender auch ein Gesicht braucht.“ Also entwarf die KI das Bild einer tief dekolletierten Moderatorin – zu viel für das Experiment.

Ebenso interessant wie die Erstellung des Senders war die Resonanz der Hörer. „Wir haben in Windeseile hunderttausende Zuhörer erreicht“, sagt Weber. Viele schalteten aus Neugier ein und waren erstaunt, wie täuschend echt eine KI das Programm gestaltete. Aber: „Die meisten hörten einmal zu – und kamen dann nie wieder.“

Für Weber hinterließ das eine Schlussfolgerung: „Es gibt kein Bonding zwischen einer KI und den Zuhörern. Radio macht die Nahbarkeit der Moderatoren aus.“ Dieser Unterschied zwischen künstlicher Intelligenz und natürlichem Menschen ist etwas, was auch den anderen Diskussionsteilnehmern auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel noch Hoffnung für die Medienbranche macht. „KI ist für uns eine große Chance, Vertrauen zurückzugewinnen“, sagt etwa David Whigham, Chefredakteur des TV-Senders ntv. „KI ist ein schönes Tool, aber noch kein Ersatz für Menschen.“

Social-Media und KI als Konkurrenz

Mit KI verstärkt sich aber auch ein Problem: „Wir haben die Angebote der Tagesschau für KIs technisch gesperrt“, erklärt ARD-Generalsekretärin Susanne Pfab. Wer aber etwa bei ChatGPT nach den neuesten Nachrichten der Tagesschau fragt, der bekommt Antworten geliefert. Auf Nachfrage gibt die KI dann an, ertappt worden zu sein, aber eben Nachrichten geliefert zu haben, die so bei der Tagesschau erschienen sein könnten – auch unwahre.

Dass dies passiert, sei dabei nicht das Dramatische, sondern: „Das Problem für mich ist, dass es Menschen mittlerweile oft egal ist, ob eine Nachricht wahr ist“, sagt Weber. Die Unterhaltung zähle mehr. „Deswegen haben wir uns mittlerweile auch an alternative Fakten gewöhnt“, ergänzt Pfab. Der Begriff stammt aus dem Umfeld des US-Präsidenten Donald Trump und bezeichnet eigentlich bewusst gesetzte Falschnachrichten des Präsidenten. „Ich hoffe, uns bleibt dieser Weg erspart.“

Der Siegeszug von Social Media hat den Medienhäusern zudem neue Konkurrenz in Form von Influencern eingebracht. Die beschäftigen sich oft mit denselben Themen von Politik über Sport bis Kultur. „Vieles, was auf Social Media wie Journalismus aussieht, ist eigentlich nur eine Meinung, die ausgebreitet wird“, sagt Pfab und ergänzt nachdrücklich: „Meinungsäußerung ist kein Journalismus.“

Weber erklärt das genauer: „Der Unterschied zwischen Qualitätsmedien und Social Media ist Haltung“, sagt sie, „und Haltung übersetze ich dabei mit: Ich nutze die Haltung meines journalistischen Werkzeugkoffers und hinterfrage kritisch.“ Das ginge auch ohne die eigene Meinung durchdrücken zu wollen. „Wichtig ist doch erstmal, ob das, was der Gegenüber sagt, wahr ist.“

Im Wettbewerb mit Social Media und KIs setzt Pfab auf Kooperation. „Vielleicht müssen wir als Medienhäuser eine eigene KI-Strategie haben, vielleicht sogar unsere eigene KI entwickeln“, sinniert die promovierte Juristin. Dabei könnten verschiedene Medienhäuser kooperieren – wohlgemerkt nur auf der technischen Ebene, nicht später bei den Inhalten. Strengen sie sich dabei nicht genug an, schwant Whigham Böses: „Wir müssen uns das Vertrauen unserer Kunden jeden Tag neu verdienen, sonst gibt es uns bald nicht mehr.“

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