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Märkte > Ludwig-Erhard-Gipfel 2026 - Tegernsee Summit

Gesundheit im Verteidigungsfall: Pillen als kritische Infrastruktur

| Anja Georgia Graw-Bärwalde | Lesezeit: 3 Min.

Drei Personen sitzen bei einer Podiumsdiskussion auf einer Bühne des Ludwig-Erhard-Gipfels.
Podiumsdiskussion auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel zum Thema „Resilienz statt Abhängigkeit: Gesundheitssouveränität neu denken“. Gesundheitstechnologien gelten im Krisenfall als zentrale Infrastruktur für Versorgungssicherheit und staatliche Handlungsfähigkeit. (Foto: Weimer Media Group)

Gesundheit wird zur sicherheitspolitischen Aufgabe. Auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel wurde diskutiert, warum Medikamente, Produktionskapazitäten und Reserven über Versorgungssicherheit im Krisenfall entscheiden.

Gesundheit ist längst kein rein sozialpolitisches Thema mehr. Sie ist angesichts der geopolitischen Lage zur strategischen Ressource geworden – und damit Teil der kritischen Infrastruktur moderner Staaten. Auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel am Tegernsee wurde deutlich: Wer Versorgungssicherheit nicht garantiert, riskiert im Ernstfall mehr als Engpässe. Er gefährdet Stabilität und Handlungsfähigkeit eines ganzen Landes.

Die Erfahrungen der Pandemie wirken nach. Zusammengebrochene Lieferketten, fehlende Schutzmaterialien, knappe Medikamente – sie haben offengelegt, wie abhängig Europa von globalen Produktionsstrukturen ist. Für Hans-Ulrich Holtherm, Kommandeur der Sanitätsakademie der Bundeswehr, ist die Konsequenz klar: Ein resilientes Gesundheitssystem ist „kritische Infrastruktur par excellence“. Fällt es aus, drohen gesellschaftliche Unruhe und sicherheitspolitische Eskalation.

Dabei geht es längst nicht nur um klassische Versorgung. Cyberangriffe auf Krankenhäuser, Engpässe bei Blutprodukten oder Antibiotika und fehlende Lagerhaltung zeigen, wie verletzlich das System ist. Im Krisen- oder Verteidigungsfall verschärft sich die Lage zusätzlich. Militärisches Personal steht dann nicht mehr zur Unterstützung des zivilen Systems bereit, während gleichzeitig der Versorgungsbedarf steigt.

Parallel wächst der geopolitische Druck. Die USA nutzen Arzneimittelpreise zunehmend als strategisches Instrument, während China kräftig in Forschung und Entwicklung investiert. Europa verliert an Boden. „In den 90er Jahren kam jedes zweite Medikament aus Europa – heute nur noch jedes fünfte“, beschreibt Heidrun Irschik-Hadjieff, Vorsitzende der Geschäftsführung von Sanofi Deutschland, die Entwicklung.
Für die Industrie ist die Standortwahl eine Risikoabwägung: Preisregulierung, Bürokratie und internationale Referenzsysteme können darüber entscheiden, ob Innovationen überhaupt noch in Europa eingeführt werden. Die Folge: weniger Investitionen, weniger Produktion und damit sinkende Resilienz.

Wir müssen verstehen, „dass Gesundheitstechnologien Dual Use sind“, sagt Irschik-Hadjieff. Sie dienen im Alltag der Versorgung, im Krisenfall aber der Stabilisierung ganzer Staaten. Impfstoffe, Medikamente und Produktionskapazitäten werden damit zu systemrelevanter Kriseninfrastruktur, vergleichbar mit Energie oder Verteidigungsgütern.

Daraus ergibt sich eine politische Herausforderung: Gesundheitspolitik muss neu gedacht werden – als Schnittstelle von Wirtschaft, Sicherheit und Versorgung. Strategische Reserven, europäische Produktionskapazitäten und eine engere Kooperation zwischen Staat, Militär und Industrie gehören dazu.

Die gute Nachricht aus diesem von Oliver Rolofs moderierten Gespräch: Die Grundlagen sind vorhanden. Deutschland verfügt über ein leistungsfähiges Gesundheitssystem und eine starke Forschungslandschaft. Doch ohne klare Strategie droht dieses Fundament zu erodieren.

Die Debatte markiert einen Perspektivwechsel: Resilienz im Gesundheitswesen ist keine Option mehr, sondern Voraussetzung staatlicher Souveränität. Wer sie ignoriert, verlagert Risiken – in die nächste Krise.

Sie können den Ludwig-Erhard-Gipfel live unter www.leg-live.de verfolgen.

Tegernsee Summit: Der Ludwig-Erhard-Gipfel 2026

Ludwig-Erhard-Gipfel | Tegernsee Summit, findet vom 28. bis 30. April 2026 unter dem Leitthema „Zurück an die Weltspitze: Wie gelingt Deutschland der wirtschaftliche Aufschwung?“ statt. Die Konferenz gilt als etabliertes Forum für Debatten über die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands. Sämtliche Programmpunkte werden im Livestream auf der Website des Gipfels übertragen:

Mehr als 100 Speaker an drei Tagen

Gastgeber der dreitägigen Konferenz ist die Verlagsgruppe WEIMER MEDIA GROUP, Co-Veranstalter des ersten Tages ist die vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. Der Gipfel begeht in diesem Jahr seine 12. Auflage. Unter dem Motto „Zurück an die Weltspitze: Wie gelingt Deutschland der wirtschaftliche Aufschwung?“ sind mehr als 100 Speaker auf der Bühne zu hören, über 1000 Gäste werden erwartet. Die komplette Veranstaltung ist via Live-Stream auf www.ludwig-erhard-gipfel.de verfolgbar.

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