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Klöckner & Co SE: US-Phantasie trifft günstige Bewertung

| Redaktion Börse am Sonntag

8.2. Alternativer Text: CNC-Laserschneidmaschine beim hochpräzisen Zuschnitt eines Stahlblechs – Symbolbild für Klöckners strategische Ausrichtung auf veredelte Metallverarbeitung.
Das Bild steht sinnbildlich für die strategische Transformation von Klöckner & Co: Weg vom klassischen Stahlhandel, hin zur präzisen und digitalisierten Verarbeitung in modernen Servicecentern – High-Value-Added Business im Fokus. (Foto: Shutterstock)

Die Aktie von Klöckner & Co profitiert von US-Reindustrialisierung, bilanzieller Stärke und günstigem Bewertungsniveau. Warum Anleger jetzt auf den Margenhebel und den HVAB-Fokus schauen sollten.

Die Aktie von Klöckner & Co SE (ISIN: DE000KC01000) zählt aktuell zu den spannendsten Value-Titeln im SDAX. Nach Jahren als eher zyklischer Stahlhändler transformiert sich das Unternehmen zunehmend zum margenstarken Verarbeiter und Dienstleister für Industrie, Infrastruktur und Rüstung. Anleger setzen dabei nicht nur auf bessere Margen und neue Wachstumsmärkte, sondern auch auf strukturelle Phantasie aus den USA, wo Klöckner mehr als die Hälfte seiner Umsätze erzielt.

Trotz eines schwachen Free Cashflows im ersten Quartal zeigt die Aktie relative Stärke und ist auf Basis operativer Kennzahlen günstig bewertet. Kommt jetzt die Initialzündung für einen Ausbruch über wichtige Chartmarken?

US-Reindustrialisierung als strategischer Rückenwind

Klöckner & Co erwirtschaftet mittlerweile rund 59 Prozent des Umsatzes in Nordamerika. Dort profitieren die Düsseldorfer vom Trend zu Nearshoring (Verlagerung von Produktionsprozessen aus Übersee in geografisch nahe Industriestandorte), von staatlichen Infrastrukturprogrammen sowie vom Ausbau regionaler Fertigungskapazitäten in den USA.

Die Geschäfte sind stark regionalisiert. Mehr als 95 Prozent der Produkte werden auch im Herkunftsland verarbeitet und verkauft. Zollrisiken entfallen, zugleich ergeben sich operative Synergien. In Q1 2025 legte das US-Geschäft beim EBITDA sichtbar zu. Europa dagegen schrieb operativ rote Zahlen.

Vom Stahlhändler zum High-Value-Player

Unter der Strategie Step Up 2030 wandelt sich Klöckner von einem reinen Distributeur zu einem Anbieter von High-Value-Added Business (HVAB) und modernen Servicecentern. Ziel ist es, die Margen zu steigern, das Geschäftsmodell unabhängiger von Stahlpreisschwankungen zu machen und die Eintrittsbarrieren für Wettbewerber zu erhöhen.

HVAB umfasst vor- und endverarbeitete Metallprodukte wie lasergeschnittene Bleche, geschweißte Komponenten oder individuell konfektionierte Bauteile, die direkt in die Produktion der Kunden integriert werden können. Dazu kommen Dienstleistungen wie automatisiertes Schweißen, 3D-Laserschneiden oder Just-in-time-Auslieferung über digitale Plattformen.

Aktuell stammen bereits 80 Prozent des Umsatzes aus dem HVAB- und Servicecenter-Segment. Die Transformation zeigt Wirkung. Das Geschäft wird berechenbarer, skalierbarer und zukunftsfähiger. Dennoch liegt die EBITDA-Marge mit 1,1 Prozent (Q1 2025) noch deutlich unter dem strategischen Ziel von 5 Prozent. Ein operativer Hebel mit viel Potenzial.

Bewertung auf Cashflow-Basis attraktiv

Die Bewertung von Klöckner & Co erscheint auf den ersten Blick zyklisch gedrückt. Doch genau darin liegt die Chance. Mit einem Kurs-Cashflow-Verhältnis von 4,36 liegt die Aktie nicht nur unter dem Branchendurchschnitt, sondern auch unter dem eigenen historischen Durchschnitt von 8 über 20 Jahre beziehungsweise 7 über 10 Jahre. Daraus ergibt sich eine deutliche Unterbewertung im Zeitvergleich.

Die operative Cashflow-Rendite beträgt fast 23 Prozent. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist derzeit durch temporäre Margenschwäche verzerrt. Sollte das Management die geplante Margenverbesserung umsetzen, wäre eine Neubewertung realistisch. Analystenziele von 8,50 bis 10 Euro spiegeln das wider.

Bewertungskennzahlen

Technisches Setup: Breakout möglich

Charttechnisch konsolidiert die Aktie derzeit unterhalb der Marke von 7 Euro. Ein nachhaltiger Ausbruch über das Zwischenhoch von Anfang Juli bei 7,24 Euro könnte neues Aufwärtsmomentum auslösen. Der nächste Zielbereich liegt dann im Bereich zwischen 8,50 und 9,00 Euro.

Antizyklisch orientierte Anleger könnten jedoch auch die aktuelle Korrektur als Einstiegschance werten. Nach dem kurzfristigen Aufwärtsimpuls seit dem Tief im Juni war die Aktie bis auf 7,24 Euro geklettert – und hatte damit den übergeordneten Abwärtstrend seit dem markanten Zwischenhoch von März bei 8,18 Euro gebrochen. Diese frühere Hochzone stellt nun einen potenziellen Widerstand dar.

Auf der Unterseite gilt der Bereich um 6,00 Euro als technische Unterstützung. Ein nachhaltiger Bruch des Zwischentiefs von Juni bei 5,77 Euro würde das Chartbild jedoch deutlich eintrüben.

Klöckner & Co

Klöckner & Co SE – Value mit Story und Hebel

Für langfristig orientierte Anleger und taktische Trader gleichermaßen ergibt sich bei Klöckner eine interessante Konstellation. Das Unternehmen befindet sich inmitten eines strategischen Wandels, ist regional stark positioniert und bilanziell solide aufgestellt.

Typische Risiken bestehen in der zyklischen Nachfrageentwicklung, stark schwankenden Stahlpreisen und dem hohen Wettbewerbsdruck in der Branche. Auch operative Rückschläge bei der Transformation könnten die Margendynamik verzögern.

Die Bewertung ist niedrig, die Transformation greifbar und mit Blick auf US-Industrieprogramme und HVAB-Ausbau sind Kursfantasien durchaus realistisch. Kurzfristig bleibt der Kursverlauf volatil, aber am 6. August 2025 werden die nächsten Quartalszahlen erwartet. Sie könnten der nächste Impulsgeber sein.

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