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Ein Zeichen für Deutschlands Aufbruch

| Vera König

Verleihung Freiheitspreis der Medien an Theo Waigel.
Ex-Bundesfinanzminister Theo Waigel (3. v.l.) bekamt auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel den Freiheitspreis der Medien verliehen. Mit auf dem Bild (von links): Wolfram Hatz, Präsident vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, Chrstiane Goetz-Weimer, Verlegerin WEIMER MEDIA GROUP und Wolfgang Schüssel, österreichischer Bundeskanzler a.D. (Foto: WMG)

Wie gelingt Deutschland der wirtschaftliche Aufschwung? Darüber debattierten die Entscheider aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien beim Ludwig-Erhard-Gipfel am Tegernsee.

Der Tegernsee liegt ruhig an diesem Morgen. Die Berge setzen sich klar vom blauen Himmel ab, das Wasser ist glatt, fast unbewegt. Die Sonne steht schon hoch und taucht die Szenerie in helles, freundliches Licht. Postkartenidylle pur. Ein Ort, der eher für Rückzug steht als für Umbruch. Und doch geht es hier in diesen Tagen um nichts Geringeres als die Zukunft der deutschen Wirtschaft. Drinnen beim Ludwig-Erhard-Gipfel, nur wenige Meter vom Ufer entfernt, wird nicht über Landschaft gesprochen, sondern über Lage. Über Wettbewerbsfähigkeit, Reformstau, geopolitischen Druck. Über ein Land, das viel kann – und gerade deshalb spürt, wie viel auf dem Spiel steht. Der Pessimismus, der vielerorts zu spüren ist, wird am Tegernsee bewusst gebrochen. Immer wieder blitzt Zuversicht auf. Nicht als naiver Optimismus, sondern als Arbeitsauftrag.

Auf dem Weg zurück an die Weltspitze

Der Ludwig-Erhard-Gipfel (LEG) setzte in diesem Jahr ein Zeichen für Deutschlands Aufbruch. Das Motto lautete: „Zurück an die Weltspitze: Wie gelingt Deutschland der wirtschaftliche Aufschwung?“ Zum Diskurs über diese Frage versammelte die Wirtschafts- und Politikkonferenz von 28. bis 30. April 2026 die Entscheider der Republik und darüber hinaus auf Gut Kaltenbrunn in Gmund am Tegernsee. Sie diskutierten die brennendsten Themen unserer Zeit und suchten nach Lösungen für Deutschland. Der erste Gipfeltag, den die vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. als Co-Veranstalter mit der gastgebenden WEIMER MEDIA GROUP ausrichtete, befasste sich mit dem Thema „Zukunft aus eigener Stärke: Soziale Marktwirtschaft für neue Zeiten“, ehe der „Future & Finance Day“ sowie der „Innovation & Science Day“ folgten. Es kamen mehr als 100 Redner und über 1000 Teilnehmer.

Der Gipfel als zum Kongress gewordener Weckruf

„Dieser Gipfel sollte der zum Kongress gewordene Weckruf für den Sonnenaufgang sein“, sagte Christiane Goetz-Weimer, Verlegerin der WEIMER MEDIA GROUP. In ihrer Rede zeichnete sie das Bild einer Welt im Umbruch: Kriege, neue Machtzentren, brüchige Allianzen und wirtschaftliche Unsicherheit setzen Europa und Deutschland unter Druck. Zugleich verband Goetz-Weimer die Krisendiagnose mit einem Appell zu Resilienz, Reformbereitschaft und unternehmerischem Mut. Deutschland müsse seine Standortschwächen – von hohen Energiepreisen über Bürokratie bis zu sinkender Wettbewerbsfähigkeit – entschlossen angehen. Hoffnung sah sie in der Innovationskraft des Landes: Rekordwerte bei Start-ups, starke Patentanmeldungen, Künstliche Intelligenz und neue Freihandelsabkommen zeigten, dass Deutschland weiterhin Substanz habe. Der Gipfel verstehe sich dabei als Forum der liberalen Mitte und als Ort, an dem Freiheit, Demokratie und wirtschaftliche Stärke zusammengedacht werden.

Impulse und Panels zu Deutschlands neuer Wettbewerbsfähigkeit

Wie kann das Land in einer Welt geopolitischer Umbrüche, wirtschaftlicher Unsicherheit und technologischer Beschleunigung wieder wettbewerbsfähiger werden? Ukraine-Krieg, Nahost-Konflikt, neue Machtzentren und eine unsichere Rolle der USA bilden den außenpolitischen Rahmen, während innenpolitisch Bürokratie, hohe Energiepreise, Steuerlasten, Fachkräftemangel und eine schwächelnde Innovationsdynamik belasten. Die Gipfel-Debatten kreisten daher um eine Erneuerung der Sozialen Marktwirtschaft, mehr Markt und Eigenverantwortung, eine stärkere Kapitalmarktunion, den gezielten Einsatz privaten Kapitals, Künstliche Intelligenz als Wachstumstreiber sowie Verteidigung und Energiepolitik als neue Standortfaktoren. Dabei setzte die Konferenz auch politische und gesellschaftliche Akzente: mit Diskussionen über Medienvertrauen oder neue Arbeitswelten sowie eine Rückbesinnung auf Leistung und Verantwortung.

Die Redner aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft waren unter anderem Philipp Amthor, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung, der Stellvertretende Bayerische Ministerpräsident Hubert Aiwanger, Armin Laschet, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Deutschen Bundestag, der ehemalige österreichische Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, vbw-Präsident Wolfram Hatz, der israelische Botschafter Ron Prosor, der ehemalige Fußballprofi und Trainer Matthias Sammer, Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts, Moderatorin und Autorin Nina Ruge, Rüdiger Linhof, Bassist der Sportfreunde Stiller und Mitinitiator der Kultur.Konvois, KfW-Vorstandsvorsitzender Stefan Wintels, Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie, Generalmajor Andreas Henne, Staatsrechtlerin Frauke Brosius-Gersdorf, der ehemalige britische Handelsminister Greg Hands, Annegret Kramp-Karrenbauer, Bundesverteidigungsministerin a. D., und Extremismus-Experte Ahmad Mansour.

Tegernseer Appell: ein wirtschaftspolitisches Signal

Der abschließende Tegernseer Appell bündelte die Botschaft des Gipfels: Deutschland besitzt Kapital, Unternehmen, Forschungskraft, Talente und demokratische Substanz – doch der Weg zurück an die Weltspitze gelingt nur mit mehr Tempo, Mut, Investitionen und konsequenten Reformen. Beim Tegernseer Appell handelt es sich um einen Zehn-Punkte-Plan für Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und neuen Wohlstand, der ein wirtschaftspolitisches Signal setzen soll. Er fordert eine Neuausrichtung der Wirtschaftspolitik in Deutschland und Europa. Unternehmer, Manager, Wissenschaftler und Verbandsspitzen haben ihn auf dem LEG unterzeichnet.

Freiheitspreis der Medien für Theo Waigel

Einen Höhepunkt des Gipfels bildet traditionell die Verleihung des „Freiheitspreises der Medien“. In diesem Jahr ging die renommierte Auszeichnung an den ehemaligen Bundesfinanzminister und CSU-Ehrenvorsitzenden Theo Waigel. Ausgezeichnet wurde der 87-Jährige für seine Verdienste rund um die deutsche Einheit und die europäische Währungsunion. In der Jurybegründung, die Goetz-Weimer verlas, heißt es: „Theo Waigel, Bundesfinanzminister von 1989 bis 1998, hat wie kaum ein anderer deutscher Politiker die wirtschaftliche und politische Integration Europas geprägt.“ Als einer der Architekten der Wirtschafts- und Währungsunion habe er die Grundlagen für den Euro geschaffen – „nicht als rein ökonomisches Projekt, sondern als historische Entscheidung für ein geeintes und friedliches Europa“. Und weiter: „Untrennbar mit seinem Namen verbunden ist die Einführung des Euro, für die er sich auch gegen erhebliche Widerstände – nicht zuletzt im eigenen politischen Umfeld – einsetzte und die ihm den Beinamen ,Mister Euro‘ einbrachte“, sagte Goetz-Weimer. Auch über seine Amtszeit hinaus sei Waigel eine prägende Stimme in der Europäischen Union geblieben.

„Theo gratias (Theo sei Dank), du verdienst ihn wirklich“, sagte der ehemalige österreichische Bundeskanzler Wolfgang Schüssel in seiner Laudatio. Er bezog sich dabei auf den CSU-Granden Franz Josef Strauß, der Waigel einst häufig mit Theodor ansprach, was übersetzt so viel heißt wie „Geschenk Gottes“. Es gab Standing Ovations, als Verlegerin Goetz-Weimer den Freiheitspreis an Waigel überreichte. „In Freude und Demut nehme ich den Preis an, es ist mir eine große Ehre“, sagte der Preisträger sichtlich gerührt.

Würdigung zweier Freiheitskämpfer

Neben dem Freiheitspreis widmete sich der Gipfel auch der Würdigung zweier Freiheitskämpfer: Dilek und Ekrem İmamoğlu. „Der Ludwig-Erhard-Gipfel möchte nicht wegschauen“, sagt Christiane Goetz-Weimer, Verlegerin der WEIMER MEDIA GROUP. Die Konferenz verstehe sich neben dem offenen Austausch auch als unterstützendes Forum für alle, die nicht in einer rechtsstaatlichen Welt leben und die in ihrem Freiheitskampf an ihre Grenzen und darüber hinaus gehen. Der Istanbuler Bürgermeister und türkische Oppositionspolitiker war im März vergangenen Jahres, kurz vor seiner Nominierung als Präsidentschaftskandidat der CHP, festgenommen worden und sitzt seither in Haft. Aktuell läuft der Prozess gegen ihn. Er sitzt wegen seines Eintretens für das freie Wort und freie Wahlen im Gefängnis, und auch seine Frau kann nicht am Gipfel teilnehmen, weil sie Sorge haben muss, danach nicht mehr in ihr Heimatland einreisen zu können. „Ekrem İmamoğlus Wirken macht eines klar: Die Kraft der Demokratie wächst von unten“, sagt Goetz-Weimer. „Die rechtlichen Maßnahmen gegen İmamoğlu verdeutlichen in welchem Maß demokratische Grundrechte in der Türkei Erdogans unter Druck geraten.“ Sie ergänzte: „Und wir möchten klar sagen: Die Demokratien Europas schauen auf diesen Fall. İmamoğlu wird im Gefängnis nicht vergessen!“

Ekrem İmamoğlu bedankte sich per Schreiben aus dem Gefängnis für die „bedeutungsvolle Auszeichnung“ und machte deutlich, dass man zwar versuche, ihn zum Schweigen zu bringen, seine Botschaft aber weiterwirke: „Selbst wenn ich zum Schweigen gebracht werde, wird die Wahrheit weiter sprechen.“ Auch seine Frau Dilek nahm die Auszeichnung per Videobotschaft „im Namen derjenigen“ entgegen, „die den Preis dafür zahlen, die Wahrheit zu verteidigen“.

Neues Format Markt und Mittelstand Summit

Parallel zu den intensiven Inhalten auf der Hauptbühne bot der Gipfel auf weiteren Bühnen verschiedene Masterclasses sowie zwei neue Formate: die Health Stage und der Markt und Mittelstand Summit. Den eigenen Tag für den Mittelstand präsentierte das Magazin „Markt und Mittelstand“. Die Teilnehmer erlebten Rednerinnen und Redner aus Politik, Wissenschaft und von Unternehmen wie beispielsweise dm-Chef Christoph Werner. Familienunternehmer diskutierten mit Experten aus der Wissenschaft und prominenten Partnern des Mittelstands die Herausforderungen für nachhaltiges Wachstum und wirtschaftlichen Erfolg. Zudem zeichnete die Preisverleihung für die „TOP Kommunikation im Mittelstand“ erfolgreiche deutsche mittelständische Unternehmen aus.

Analyse und Austausch – auf und neben der Bühne

Nach dem Bühnenprogramm besaßen die Gipfeltage mit den Abendveranstaltungen Reception Night, Executive Night, Journalistenabend und Gipfel-Nacht einen feierlichen Rahmen. Beim Networking in feierlicher Atmosphäre führten die Gäste das eine oder andere Thema der intensiven, dreitägigen Konferenz fort. Denn der diesjährige Ludwig-Erhard-Gipfel zeigte vor allem eines: die Ernsthaftigkeit der Lage – und den Willen, sich ihr zu stellen. Im Zentrum standen Analyse, Austausch und die Suche nach tragfähigen Lösungen. Und genau darin könnte – wenn es gut läuft – der Anfang von etwas Neuem liegen.

Impressionen zum Ludwig-Erhard-Gipfel finden sich hier: www.ludwig-erhard-gipfel.de

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