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Märkte > Ludwig-Erhard-Gipfel 2026 - Tegernsee Summit

„Notenbanken sind sehr kreativ darin, das System zu stützen“

| Oliver Götz | Lesezeit: 3 Min.

Carola Ferstl spricht bei einer Podiumsdiskussion vor blauem Hintergrund.
Carola Ferstl spricht bei einer Podiumsdiskussion vor einem blauen Hintergrund. Auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel diskutierten Ökonomen und Investmentprofis über robuste Märkte, Notenbanken, Schulden und Bitcoin. (Foto: Weimer Media Group)

Trotz Iran-Krieg, hoher Ölpreise und steigender Staatsschulden bleiben die Finanzmärkte robust. Experten erklären auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel, warum Gewinne, Liquidität und Vertrauen entscheidend sind.

Die Märkte präsentieren sich vor dem Hintergrund des noch nicht ausgestandenen Iran-Kriegs und weiterhin hoher Ölpreise erstaunlich robust. Carsten Klude, Chefvolkswirt der Bank M.M. Warburg, und Thomas Kruse, CIO von Amundi-Deutschland erklären es auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel am Tegernsee vor allem mit stabilen Unternehmensgewinnen. Die Grundlage jeder Aktienbewertung seien letztlich die Erträge der Unternehmen. Nicht nur die großen US-Tech-Konzerne, sondern auch viele andere Unternehmen im S&P 500 lieferten solide Zahlen. Das US-Barometer war jüngst auf ein Rekordhoch gestiegen. Der Markt blicke nach vorn und gehe davon aus, dass keine Seite ein Interesse an einer massiven militärischen Eskalation habe, erklärt Kruse. Solange die fundamentalen Daten stimmten, bleibe auch der Aktienmarkt stabil.

Aber nicht nur der Iran-Krieg legt auf den ersten Blick sinkende Kurse an den Finanzmärkten nahe, auch die weltweit steigende Schuldenlast birgt Crash-Potenzial. Während Moderator Oliver Stock und Carola Ferstl, Chefredakteurin BV Medien, auf die Risiken wachsender Staatsverschuldung verweisen, bleiben die Ökonomen gelassen.

„Diese Diskussion führen wir seit fünf oder zehn Jahren“, sagt Klude. Die absolute Höhe der Schulden sei zwar besorgniserregend, aber kein Killerargument. Entscheidend sei vielmehr die Relation zur wirtschaftlichen Leistung eines Landes – also die Schuldenquote – und vor allem das Vertrauen der Märkte in die jeweilige Währung.

Gerade bei großen Volkswirtschaften wie den USA oder Deutschland spiele deshalb nicht nur die Verschuldung selbst eine Rolle, sondern die Frage, ob Investoren weiterhin daran glaubten, dass Staaten ihre Verpflichtungen bedienen könnten. „Notenbanken sind sehr kreativ darin, wenn es hart auf hart kommt, das System zu stützen“, sagt Klude.

Für den Warburg-Chefvolkswirt ist klar: Der entscheidende Frühindikator für Anleger seien heute weniger klassische Konjunkturdaten wie der Ifo-Index oder Einkaufsmanagerindizes, sondern vor allem die Frage der Liquidität, also das Handeln der Zentralbanken.

Apropos Notenbanken: Bei der US-Notenbank Fed wird Klude die politische Debatte oft zu stark personalisiert. Auch mit einem neuen Fed-Chef Kevin Warsh entscheide nicht eine Person allein über die Zinsen. Das Federal Open Market Committee bestehe aus zwölf Mitgliedern, Mehrheiten seien entscheidend. Die Vorstellung eines reinen „Trump-Jüngers“ an der Spitze sei daher zu einfach gedacht. „Die Europäische Zentralbank EZB ist politischer als die Fed“, meint Klude. Jedenfalls säßen dort mehr Politiker im Entscheidungsgremium.

Auch das deutsche Sondervermögen wird in der Runde kontrovers diskutiert. Kruse verteidigt die zusätzlichen Milliarden für Verteidigung und Infrastruktur ausdrücklich. Deutschland habe sich zu lange dogmatisch auf die 60-Prozent-Verschuldungsgrenze konzentriert und dadurch notwendige Investitionen verschleppt.

Selbst mit den neuen Sondervermögen liege die Schuldenquote nur bei rund 80 Prozent. Entscheidend sei nicht die Höhe, sondern der Zweck. Schulden für Konsum seien problematisch, Schulden für Wachstum und Zukunftsfähigkeit dagegen sinnvoll. Investitionen in Infrastruktur, Verteidigung oder Unternehmen könnten langfristig höhere Steuereinnahmen schaffen und damit die Verschuldung später wieder verringern.

Finanzjournalistin Ferstl ging noch grundsätzlicher vor. Schulden ließen sich ohnehin kaum vermeiden, weil das moderne Fiat-Geldsystem strukturell auf Kredit basiere. Fiat-Geld –staatlich ausgegebenes Geld ohne direkte Golddeckung – entsteht im Kern durch Kreditvergabe. Damit Wirtschaft wachsen kann, müsse letztlich immer jemand neue Schulden aufnehmen. Für Privatanleger leitet Ferstl daraus eine klare Empfehlung ab: „Setzen Sie auf Sachwerte, auf Aktien.“

Zum Schluss geht es noch um die Frage, ob das Fiat-Geldsystem langfristig an seine Grenzen stößt – und ob Kryptowährungen wie Bitcoin eine Alternative sein könnten. Ferstl sieht Bitcoin längst als etablierten Bestandteil des Finanzsystems. Wenn selbst der US-Finanzinvestor Blackrock Bitcoin-Produkte auflege, sei klar: „Bitcoin ist da, um zu bleiben.“ Für sie ist Krypto kein Zeichen eines kollabierenden Geldsystems, sondern eher ein paralleles Sicherheitsnetz neben dem bestehenden System.

Warburg-Chefsvolkswirt Klude ist skeptischer. Auch Krypto funktioniere nur über Vertrauen – genauso wie Fiat-Geld. In der klassischen Vermögensverwaltung spiele es bislang kaum eine Rolle. Amundi-Manager Kruse sieht vor allem die Technologie hinter digitalen Assets als relevant an. Ob Bitcoin selbst dauerhaft als Krisenbaustein im Portfolio funktioniere, sei dagegen deutlich weniger klar.

Sie können den Ludwig-Erhard-Gipfel live unter www.leg-live.de verfolgen.

Tegernsee Summit: Der Ludwig-Erhard-Gipfel 2026

Ludwig-Erhard-Gipfel | Tegernsee Summit, findet vom 28. bis 30. April 2026 unter dem Leitthema „Zurück an die Weltspitze: Wie gelingt Deutschland der wirtschaftliche Aufschwung?“ statt. Die Konferenz gilt als etabliertes Forum für Debatten über die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands. Sämtliche Programmpunkte werden im Livestream auf der Website des Gipfels übertragen:

Mehr als 100 Speaker an drei Tagen

Gastgeber der dreitägigen Konferenz ist die Verlagsgruppe WEIMER MEDIA GROUP, Co-Veranstalter des ersten Tages ist die vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. Der Gipfel begeht in diesem Jahr seine 12. Auflage. Unter dem Motto „Zurück an die Weltspitze: Wie gelingt Deutschland der wirtschaftliche Aufschwung?“ sind mehr als 100 Speaker auf der Bühne zu hören, über 1000 Gäste werden erwartet. Die komplette Veranstaltung ist via Live-Stream auf www.ludwig-erhard-gipfel.de verfolgbar.

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