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Märkte > Ludwig-Erhard-Gipfel 2026 - Tegernsee Summit

Deutsche KI-Startups: „Wir müssen uns nicht vorm Silicon Valley verstecken“

| Christoph Sackmann | Lesezeit: 3 Min.

Mehrere Personen sitzen bei einer Podiumsdiskussion auf einer Bühne.
Podiumsdiskussion auf einer Bühne des Ludwig-Erhard-Gipfels. Die deutsche Gründerszene sieht bei Künstlicher Intelligenz großes Potenzial, kämpft aber vor allem in späteren Finanzierungsphasen mit Nachteilen. (Foto: Weimer Media Group)

Deutsche KI-Startups haben Talent, Kapital und technologische Stärken – doch spätere Finanzierungsrunden und Bürokratie bremsen den Weg zur internationalen Sichtbarkeit.

122 Milliarden Dollar hat ChatGPT-Entwickler OpenAI bei seiner letzten Finanzierungsrunde Ende März von Investoren eingesammelt. Zahlen, bei denen der deutsche Startup-Investor Carsten Puschmann neidisch wird, wie er auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel am Tegernsee sagt. Gerne würde er die Summe auch für deutsche KI-Unternehmen sehen, aber: „Während wir bei ganz frühen Investitionen noch gut dastehen, wird es in späteren Phasen schwer.“ Für den Investor ist das einer der Gründe, warum deutsche Start-ups selten Schlagzeilen schreiben. Dabei sind die Voraussetzungen dafür gegeben, da sind sich alle in einer Diskussionsrunde auf dem Gipfel einig.

„Wir haben das Talent und das nötige Geld in Deutschland“, sagt auch Janna Ensthaler. Sie ist selbst mehrfache Unternehmensgründerin und als Investorin unter anderem in der TV-Show „Höhle der Löwen“ aktiv. Die Frage sei jetzt nur, „wie schnell es uns gelingt, die Möglichkeiten von KI zu nutzen“, sagt Hagen Rickmann, bei Vodafone für Geschäftskunden in der EU und der Türkei verantwortlich. Dabei seien die Zeiten so gut wie selten. „Es ist mit KI gerade so einfach wie nie, ein Unternehmen zu gründen“, ergänzt Puschmann.

Woran liegt es also, dass dies in Deutschland trotzdem seltener der Fall ist? Für Puschmann liegt viel am mangelnden Investorengeld. Dem hält Annika von Mutius, Chefin von Empion und Vorständin des KI-Bundesverbandes, entgegen: „China zeigt uns gerade, dass man auch mit wenig Ressourcen viel Nutzen generieren kann.“ Der Chatbot Deepsearch sorgte hier vergangenes Jahr für Aufsehen. Er verschlang nur einen Bruchteil der Entwicklungskosten von ChatGPT, zeigte aber teilweise bessere Ergebnisse.

Den Vergleich mit dem berühmten Silicon Valley scheuen die Experten dabei nicht. „Die besten Leute dort sind oft Deutsche“, sagt etwa Ensthaler, die gerade von einer Reise aus Kalifornien zurückkehrte. „Man muss nicht unbedingt nachmachen, wie viel dort gearbeitet wird, aber da herrscht eine unheimliche Energie.“ Von Mutius rät aber davon ab, das Erfolgsmodell aus den USA einfach zu kopieren. „Souveränität bedeutet, dass wir eben nicht jetzt auch anfangen, riesige Datencenter zu bauen.“

Stattdessen sollten sich Deutschland und Europa ihrer Meinung nach auf eigene Stärken besinnen. Dann würde es auch keine Rolle spielen, wenn man bei der Rechenkapazität zum Beispiel von US-Zentren abhängig wäre. „Wichtig ist, dass wir gegenseitige Abhängigkeiten aufbauen.“ Eine der Stärken Deutschland könnte etwa Quantum-Computing sein. Hier seien deutsche Forscher weltweit führend. Christine Rupp, Geschäftsführerin von IBM Deutschland, berichtet, dass der US-Konzern gerade erst einen Standort dafür in Baden-Württemberg gebaut hat.

Dabei sollten sich Gründer auch nicht von der Bundesregierung oder EU abhalten lassen. „In den USA schimpfen auch alle auf die Regierung, aber die Unternehmer bauen da trotzdem neue Firmen“, sagt Puschmann. Und das, obwohl es auch auf der anderen Seite des Atlantiks ein Problem mit zu viel Bürokratie gebe, wie von Mutius ergänzt.

Die deutsche Start-up-Szene macht Puschmann dabei Mut: „Die Qualität der Gründer, mit denen ich zusammenarbeite, steigt von Woche zu Woche.“ Und die beiden Vertreter großer Konzerne in der Runde können bestätigen, dass deren Arbeit auf fruchtbare Felder trifft. „Die Nachfrage nach KI-Anwendungen geht bei unseren Kunden rasant nach oben“, sagt Rickmann von Vodafone. Bei IBM haben sie KI-Anwendungen zunächst einmal intern ausprobiert. „Wir haben einfach alle Prozesse in KI gesteckt, wo es möglich war“, sagt Rupp. 20 Milliarden Dollar habe das global gekostet. Am Anfang hatte sich das Unternehmen davon nur einen Bruchteil an Gewinn versprochen. Mittlerweile haben sich die Kosten nach wenigen Jahren fast amortisiert.

Sie können den Ludwig-Erhard-Gipfel live unter www.leg-live.de verfolgen.

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