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Rohstoffe > Gelbes Erz, große Lücke

Uran als Investment: Warum der Rohstoff wieder im Fokus steht

| Thomas Behnke | Lesezeit: 9 Min.

Hand in gelbem Gummihandschuh hält ein dunkelbraunes, gelblich gemasertes Gesteinsstück vor schwarzem Hintergrund.
Uranerz in einem gelben Schutzhandschuh. Der Sprott Physical Uranium Trust hält aktuell fast 37.000 Tonnen des Rohstoffs, was knapp 62 Prozent der weltweiten Minenproduktion 2025 entspricht. (Foto: Shutterstock)

Uran erlebt eine Renaissance: KI-Konzerne sichern sich Kernkraftkapazitäten, Washington macht den Rohstoff zur Chefsache. Welche Investmentmöglichkeiten es gibt und worauf Anleger achten sollten.

Wenige Rohstoffe haben in den letzten Jahren eine so bemerkenswerte Renaissance erlebt wie Uran. Was lange als politisch unerwünschtes Erbe der Atomkraft galt, wird heute von Regierungen als strategischer Rohstoff eingestuft, von Technologiekonzernen als Schlüssel zur Energiesicherheit betrachtet und von Investoren neu entdeckt. Die Gründe dafür sind vielfältig, aber sie laufen in einem Punkt zusammen: Der Bedarf an verlässlichem Strom wächst schneller, als ihn eine andere Energiequelle stillen kann. Das ist auch für Anleger interessant und es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich hier zu positionieren.

KI als Treiber: Warum der Strombedarf die Kernenergie zurückbringt

Künstliche Intelligenz hat einen gewaltigen Hunger nach Strom. Jede Anfrage, jedes generierte Bild, jeder Chatbot, der rund um die Uhr antwortet: alles braucht Energie, mehr davon, als sich die meisten vorstellen können. Ein einzelnes KI-Rechenzentrum verschlingt dabei so viel Strom wie eine Kleinstadt. Die nächste Generation dieser Anlagen wird vermutlich den Strombedarf ganzer Millionenstädte erreichen. Und das Netz, das diese digitale Dauerspeisung tragen soll, kommt zunehmend ins Schwitzen. Kein Wunder, dass Konzerne wie Amazon bereits heute Kernkraftkapazitäten reservieren. Denn der massive Ausbau energieintensiver KI-Rechenkapazitäten hat Bedenken hinsichtlich der Stromverfügbarkeit aufkommen lassen. Dadurch ist das Thema Kernenergie wieder stärker in den Mittelpunkt gerückt, weil sie als zuverlässige, weil grundlastfähige Stromquelle gilt. Ob das wegen der Risiken und Endlagerfrage auch so sein sollte, ist eine andere Debatte. Hier geht es um die Konsequenzen für den Uranmarkt.

Washington macht Uran zur Chefsache

Die Politik in vielen Ländern hat den steigenden Strombedarf registriert, allen voran die USA. Der Ausbau der Kernenergie steht dort schon länger auf der Agenda. Im April 2026 hat das US-Energieministerium sogar ein Programm „Nuclear Dominance – 3 by 33" gestartet: Bis 2033 soll die gesamte heimische Brennstoffkette aufgebaut werden, von der Uranförderung über Anreicherung und Verarbeitung bis zur Wiederverwertung. Mehr als 90 Unternehmen sind bereits eingebunden. Der Antrieb dahinter ist knallharte Versorgungssicherheit. Uran, als wichtigste Basis für Kernenergie, wird in Washington als strategischer Rohstoff behandelt, ähnlich wie seltene Erden. Denn wer die Brennstoffkette kontrolliert, kontrolliert womöglich die Stromversorgung der Zukunft.

Globaler Reaktorausbau und eine neue Generation

Die USA betreiben mit 94 Reaktoren die weltweit größte Nuklearflotte von derzeit 438 aktiven Reaktoren, haben aber derzeit keinen klassischen Großreaktor im Bau oder in konkreter Planung. Allerdings sind 25 in der Projektphase. Gleichzeitig entsteht eine neue Generation: kleine modulare Reaktoren, sogenannte SMRs. TerraPower erhielt im März 2026 die erste Baugenehmigung für einen kommerziellen Nicht-Leichtwasserreaktor in der Geschichte der US-Atomaufsicht und begann sofort mit dem Bau des Natrium-Reaktors in Kemmerer, Wyoming. Westinghouse will bis 2030 zehn neue Reaktoren vom Typ AP1000 in Angriff nehmen. Die USA setzen also nicht auf mehr vom Gleichen, sondern auf einen Technologiesprung. Und Washington will dabei nicht nur die eigene Versorgung sichern, sondern amerikanische Reaktortechnologie als globales Exportprodukt etablieren.

Das gestiegene Interesse an Kernenergie ist dabei kein amerikanisches Phänomen. Weltweit befinden sich derzeit 80 Reaktoren im Bau, 123 sind fest geplant, über 300 weitere stehen auf den Projektlisten. China allein hat 39 Reaktoren in der Bauphase, weitere 41 in der Planung und 144 in der Pipeline. Andere Länder ziehen mit. Umfangreiche Projektvorhaben gibt es beispielsweise in Indien (26) und Kanada (12) aber auch in europäischen Staaten wie Polen (22), Großbritannien (16), Russland (9), Schweden (8) und Frankreich (4).

Wachsende Nachfrage, knappes Angebot: Die strukturelle Lücke bei Uran

Die Nachfrage nach Uran wird das nicht kalt lassen: Von 68.920 Tonnen im Jahr 2025 erwartet der Branchenverband World Nuclear Association (WNA) im Referenzszenario einen Anstieg auf über 150.000 Tonnen bis 2040. Im oberen Szenario des Verbandes, also bei konsequentem Ausbau der Kernkraft bis 2040, würde der jährliche Bedarf auf fast 200.000 Tonnen steigen. Eine Verdreifachung der globalen Nuklearkapazität bis 2050 würde sogar 250.000 Tonnen erfordern, mehr als das Vierfache der heutigen Produktion.

Die Angebotsseite hat damit ein Problem. Nach Angaben der WNA lag die weltweite Minenproduktion von Uran 2025 bei rund 60.000 Tonnen jährlich und damit unter dem Bedarf. Die Lücke wird derzeit über Lagerbestände und Sekundärquellen überbrückt, aber diese Puffer sind begrenzt. Hinzu kommt, dass die Produktion bestehender Minen nach 2030 stark zurückgehen soll und neue Minen von der Exploration bis zur ersten Lieferung viele Jahre brauchen. Das Ergebnis ist eine strukturelle Lücke zwischen Angebot und Nachfrage, die sich in den kommenden Jahren weiter aufzutun droht. Diese Ausgangslage erklärt, warum Uran als Rohstoff im Speziellen und Kernenergie im Allgemeinen zunehmend in den Fokus von Investoren rücken.

Sprott Physical Uranium Trust: Der direkte Zugang zum physischen Rohstoff

Wer direkt in Uran investieren will, stößt jedoch schnell an Grenzen. Anders als Gold oder Silber lässt sich der Rohstoff nicht einfach physisch handeln. Uran unterliegt strengen staatlichen Regulierungen, Erwerb und Lagerung sind nur lizenzierten Einrichtungen erlaubt. Auch Derivate, wie sie bei Kupfer oder Erdöl selbstverständlich sind, existieren für Uran kaum. Der Markt war daher für Privatanleger lange weitgehend verschlossen.

Im Jahr 2021 kam dann der Sprott Physical Uranium Trust (SPUT) auf den Markt. Der geschlossene Investmentfonds nach kanadischem Recht erwirbt und hält physisches Uran in Form von U3O8. Seine Anteile (ISIN: CA85210A1049) sind an der Toronto Stock Exchange in US-Dollar (Symbol: U.U) und kanadischen Dollar (Symbol: U.UN) handelbar und machen ihn zum einzigen börsengelisteten Vehikel, das Anlegern einen direkten Zugang zum physischen Rohstoff bietet. Für Anleger in Deutschland gibt es zudem den HANetf Sprott Physical Uranium ETC (ISIN: XS2937253818), der die Wertentwicklung des Sprott-Trust abbildet und an europäischen Börsen handelbar ist.

Das Fondsvolumen des SPUT setzt sich aktuell aus fast 37.000 Tonnen Uran (81,4 Millionen Pfund) mit einem Marktwert von knapp sieben Milliarden US-Dollar zusammen. Das entspricht knapp 62 Prozent der weltweiten Minenproduktion im Jahr 2025. Das Uran wird bei lizenzierten Verwahrern in Kanada, den USA und Frankreich gelagert.

Der Sprott-Trust wird an der Börse gehandelt wie eine Aktie und durch seine Konstruktion als geschlossener Investmentfonds kann der Marktpreis vom inneren Wert abweichen. In der Hochphase 2021, als die Nachfrage die Zahl verfügbarer Anteile überstieg, handelte der Fonds zwischenzeitlich mit Aufschlägen von mehr als 20 Prozent auf den Nettovermögenswert (NAV). Die Regel ist jedoch ein Abschlag. Aktuell liegt der Marktpreis rund sieben Prozent unter dem NAV. Wer heute den Sprott Physical Uranium Trust kauft, erwirbt Uran also mit einem Abschlag auf den rechnerischen Wert. Ob und wann sich diese Lücke schließt, ist jedoch offen. Sie kann auch noch größer werden. Ein Abschlag allein ist damit kein Kaufgrund.

Charttechnische Ausgangslage: Erste Signale einer Bodenbildung

Interessant ist derzeit jedoch die charttechnische Ausgangslage. Nach dem Mehrjahreshoch im Januar 2026 hatte der SPUT bis zum Tief im März um rund 24 Prozent korrigiert. Die sich daran anschließende Gegenbewegung wurde seit Ende April zwar größtenteils wieder zunichtegemacht. Allerdings wurde das Märztief dabei bislang nicht erreicht. An den letzten Handelstagen ist zudem ein neuer Aufwärtsimpuls zu erkennen. Der Kurs hat dabei seine 200-Tage-Linie erreicht, die Anfang Juni unterschritten wurde. Sollte dieser Indikator, der als Gradmesser für den langfristigen Trend gilt, nun zurückerobert werden, wäre das ein erstes positives Signal. Dieses würde bestätigt werden, wenn anschließend die Zwischenhochs von 28,02 und 28,84 kanadischen Dollar überwunden werden können.

Uranaktien und SMR-Entwickler: Chancen und Risiken bei den Einzeltiteln

Neben dem Sprott-Trust gibt es mit Aktien auf Unternehmen aus dem Sektor weitere Möglichkeiten, am Investmentthema Kernenergie zu partizipieren. Das Universum umfasst dabei mehrere Segmente. Auf der Förderseite sind Firmen wie Cameco (ISIN: CA13321L1085), Uranium Energy (ISIN: US9168961038) oder Denison Mines (ISIN: CA2483561072) aktiv. Ein besonders markanter Name ist NexGen Energy (ISIN: CA6770261060), dessen Lagerstätte Arrow in Saskatchewans Athabasca-Basin als eine der hochgradigsten Uranvorkommen der Welt gilt. Im März 2026 erhielt das Unternehmen die finale Genehmigung für den Bau, der im Sommer 2026 beginnen soll.

Centrus Energy (ISIN: US15643U1043) ist im Bereich Urananreicherung tätig, BWX Technologies (ISIN: US05605H1005) liefert Reaktorkomponenten und Brennstoff, zuletzt auch TRISO-Brennstoff für neue Testreaktoren der US-Regierung. Auf der Entwicklungsseite steht Oklo (ISIN: US02156V1098), das kompakte Mikroreaktoren vom Typ Aurora mit 50 bis 75 Megawatt entwickelt, die speziell für Rechenzentren und abgelegene Standorte konzipiert sind. Das Unternehmen hat Absichtserklärungen über rund 15 Gigawatt abgeschlossen, unter anderem mit Meta und Switch. Im September 2025 begann Oklo mit dem Bau eines Demonstrationsreaktors am Idaho National Laboratory. Die Baugenehmigung für einen kommerziellen Reaktor ist beantragt, eine erste kommerzielle Inbetriebnahme wird frühestens 2027 angestrebt.

Ein Beispiel für die Risiken dieser Anlageklasse, macht NuScale Power (ISIN: US67080X1019) deutlich: Das Unternehmen war das erste, das eine Designzulassung der US-Atomaufsicht für einen SMR erhielt und galt lange als Vorreiter der neuen Reaktorgeneration. Als sein Flaggschiffprojekt in Idaho 2023 wegen explodierender Kosten scheiterte, brach der Kurs massiv ein. Das zeigt, wie stark die Kursentwicklung in diesem Segment von einzelnen Meilensteinen oder Rückschlägen abhängt. Das erklärt auch die teilweise stark unterschiedlichen Kursentwicklungen bei den einzelnen Aktien. Gezielt auf einen Einzelwert zu setzen, erfordert daher tiefgreifende Analysen und ein umfangreiches technologisches Know-how. Für die meisten Anleger dürfte das nur schwer zu erfüllen sein.

Global X Uranium ETF: Breit gestreut, aber mit Klumpenrisiko

Thematische ETFs, wie der Global X Uranium ETF (ISIN: US37954Y8710, Ticker: URA) können daher eine Alternative sein. Er beinhaltet 52 Unternehmen aus dem gesamten Uran- und Kernenergiespektrum, von der Förderung über die Anreicherung bis zum Reaktorbau. Mit einem verwalteten Vermögen von 6,65 Milliarden US-Dollar handelt es sich dabei nicht um einen Nischen-ETF, und seine Größe spricht für das Interesse an dem Investmentthema Kernenergie. Allerdings ist die Konzentration hoch: Der kanadische Uranförderer Cameco (ISIN: CA13321L1085), der 49 Prozent an Westinghouse Electric besitzt und damit auch im Geschäft mit Reaktortechnologie tätig ist, macht mit rund 23 Prozent den mit Abstand größten Anteil aus. Das hat den ETF in starken Cameco-Phasen beflügelt, bedeutet aber auch, dass Rückschläge bei dieser einen Aktie den gesamten ETF spürbar belasten können. In diesem Zusammenhang stellt die trotz der jüngsten Korrektur hohe Bewertung der Cameco-Aktie ein Risiko dar. Das KGV liegt derzeit bei über 55 und damit deutlich über dem historischen Durchschnittswert von rund 24.

Kernenergie als Anlage: Vielversprechend, aber kein einfaches Terrain

Der Hunger nach Strom hat die Energiewelt verändert, schneller als die meisten erwartet haben. Kernenergie, scheinbar abgeschrieben, steht plötzlich wieder im Zentrum, gestützt von Regierungsprogrammen, Technologiemilliarden und einer Nachfrage, die sich in den nächsten zwei Jahrzehnten mehr als verdoppeln soll. Uran ist der Rohstoff, ohne den das alles nicht funktioniert. Und der Markt dafür ist enger als er aussieht: Die Minenproduktion hinkt dem Bedarf schon heute hinterher, neue Projekte brauchen Jahre, und die geopolitischen Abhängigkeiten sind erheblich. Wer in dieses Thema investieren will, hat heute mehrere Möglichkeiten, vom physischen Rohstoff über Einzelaktien bis zum breit gestreuten ETF. Jede dieser Optionen hat ihren Platz, und jede hat ihre Chancen und Risiken. Diese gilt es bei einem Investment gegeneinander abzuwägen und an das eigene Risikoprofil anzupassen. Denn so vielversprechend Uran- und Kernenergieinvestments auch sind, so herausfordernd sind sie für Anleger.

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