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Unternehmen > Akite legt kräftig zu

Startet Novartis eine neue Kursrally?

| Redaktion Börse am Sonntag

Novartis-Logo mit Spritze.
Novartis überzeugt mit überraschend starkem zweiten Quartal. (Foto: picture alliance / NurPhoto | Nikolas Kokovlis)

Der Schweizer Pharmariese überrascht Anleger mit starken Quartalszahlen. Die Sorge vor auslaufenden Patenten rückt in den Hintergrund.

Nach Vorlage der Halbjahreszahlen legte die Novartis-Aktie deutlich zu und gehörte zeitweise zu den stärksten Werten im europäischen Pharmasektor. Zwar machen sich die Auswirkungen der Generika-Konkurrenz inzwischen bemerkbar, doch das operative Geschäft entwickelte sich robuster als viele Analysten erwartet hatten. Vor allem neuere Medikamente konnten einen großen Teil der Umsatzeinbußen ausgleichen, sodass der Konzern seine Jahresziele bestätigte.

In der Pharmabranche gehören Patentabläufe zu den größten Herausforderungen überhaupt. Sobald der Patentschutz endet, dürfen andere Hersteller deutlich günstigere Generika auf den Markt bringen – oftmals brechen die Umsätze der Originalpräparate dann innerhalb kurzer Zeit massiv ein.

Genau dieses Szenario erlebt Novartis derzeit bei mehreren wichtigen Medikamenten. Besonders Entresto verliert in den USA zunehmend Marktanteile an Nachahmerprodukte. Konzernchef Vas Narasimhan hatte bereits zu Jahresbeginn erklärt, dass dieser Effekt im laufenden Jahr erhebliche Umsatzeinbußen verursachen werde.

Neue Medikamente federn den Rückgang ab

Dennoch zeigt sich, dass sich die strategische Neuausrichtung der vergangenen Jahre zunehmend auszahlt. Novartis hat sich vollständig auf innovative verschreibungspflichtige Medikamente konzentriert und investiert Milliarden in Forschung und Entwicklung.

Zu den wichtigsten Wachstumstreibern gehören inzwischen Krebsmedikamente wie Kisqali und Pluvicto, das Multiple-Sklerose-Medikament Kesimpta sowie der Cholesterinsenker Leqvio. Diese Präparate wachsen weiterhin zweistellig und gleichen einen großen Teil der Rückgänge bei älteren Produkten aus. Gleichzeitig verfügt Novartis über eine gut gefüllte Entwicklungspipeline mit mehreren Medikamenten, denen Analysten Milliardenpotenzial zutrauen.

Gerade diese Pipeline dürfte in den kommenden Monaten zum entscheidenden Kurstreiber werden. Mehrere wichtige Studienergebnisse werden noch in diesem Jahr erwartet. Sollten sie positiv ausfallen, könnten sie die Grundlage für die nächste Wachstumsphase des Konzerns legen.

Was Novartis heute auszeichnet

Novartis zählt zu den größten Pharmaunternehmen der Welt und beschäftigt rund 75.000 Mitarbeiter. Nach dem Verkauf der Generikasparte Sandoz konzentriert sich das Unternehmen ausschließlich auf innovative Arzneimittel in Bereichen wie Onkologie, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Neurologie und Immunologie.

Diese Fokussierung kommt am Kapitalmarkt grundsätzlich gut an. Innovative Medikamente bieten deutlich höhere Margen als Generika – gleichzeitig erfordert das Geschäft allerdings enorme Investitionen und ist stark vom Erfolg klinischer Studien abhängig.

Die Aktie bleibt langfristig interessant

Auch an der Börse gehört Novartis seit Jahren zu den Schwergewichten Europas. Nach einer längeren Seitwärtsbewegung konnte die Aktie zuletzt wieder deutlich zulegen. Anleger honorieren vor allem die hohe Profitabilität, den starken freien Cashflow und die verlässliche Dividendenpolitik.

Hinzu kommt, dass Pharmawerte in wirtschaftlich unsicheren Zeiten häufig als vergleichsweise defensive Investments gelten. Die Nachfrage nach Medikamenten ist deutlich weniger konjunkturabhängig als etwa in der Automobil- oder Chemieindustrie.

Fazit

Mit den aktuellen Quartalszahlen hat Novartis bewiesen, dass der Konzern den Gegenwind durch auslaufende Patente bislang besser verkraftet als viele Investoren erwartet hatten. Die starke Entwicklung neuer Medikamente sorgt dafür, dass die Generika-Konkurrenz zumindest teilweise aufgefangen werden kann.

Ob daraus eine nachhaltige Kursrally entsteht, dürfte nun vor allem von den kommenden Studienergebnissen abhängen. Fällt die Forschungspipeline positiv aus, könnte Novartis seine Position als einer der attraktivsten europäischen Pharmakonzerne weiter festigen. Bleiben die erhofften Erfolge dagegen aus, dürfte der Patentdruck schnell wieder stärker in den Fokus der Anleger rücken.

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