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Krypto > Verlieren Anleger das Vertrauen?

Buchverluste von 23 Milliarden US-Dollar: Sorge um größte Treasury-Unternehmen am Kryptomarkt wächst

| Louis Blümlein

Strategy-Logo.
Anleger fragen sich zunehmend, ob das Strategy-Geschäftsmodell noch funktioniert. (Foto: picture alliance / imageBROKER | Mojahid Mottakin)

Bitcoin und Ethereum müssen wichtige Unterstützungen verteidigen. Strategy und Bitmine sorgen für Diskussionen. Die Stimmung am Kryptomarkt bleibt angespannt.

Die Diskussion um Strategy und Bitmine wird am Kryptomarkt immer lauter. Während sich viele Anleger auf die Kursentwicklung von Bitcoin und Ethereum konzentrieren, wächst im Hintergrund die Sorge um die beiden größten Treasury-Unternehmen der Branche. Gemeinsam sitzen sie mittlerweile auf Buchverlusten von mehr als 23 Milliarden US-Dollar. Das Geschäftsmodell beider Unternehmen basiert darauf, dass Investoren Kapital bereitstellen und die zugrunde liegenden Kryptowährungen langfristig an Wert gewinnen. Doch vor allem in den vergangenen Wochen litt der Kryptomarkt unter starken Kursverlusten. Deshalb fragen sich immer mehr Marktteilnehmer, wie belastbar dieses Modell in einem längeren Bärenmarkt tatsächlich ist.

Strategy und Bitmine verfolgen dabei zwar ein ähnliches Grundprinzip, setzen aber auf unterschiedliche Kryptowährungen. Strategy hat sich unter Michael Saylor zum größten Bitcoin-Treasury-Unternehmen der Welt entwickelt und hält aktuell rund 845.000 Bitcoin. Der Wert dieser Bestände liegt selbst nach den jüngsten Kursverlusten noch bei über 50 Milliarden US-Dollar. Finanziert werden die Käufe über verschiedene Kapitalmaßnahmen, darunter Aktienverkäufe, Wandelanleihen und Vorzugsaktien wie STRC. Das Ziel besteht darin, langfristig immer mehr Bitcoin pro Aktie zu akkumulieren.

Bitmine verfolgt dagegen eine Ethereum-Strategie. Das Unternehmen wandelte sich innerhalb weniger Monate von einem Mining-Unternehmen zum größten börsennotierten Ethereum-Treasury-Unternehmen. Aktuell hält Bitmine rund 5,4 Millionen ETH und kontrolliert damit knapp 4,5 Prozent des gesamten Ethereum-Angebots. Ein großer Teil dieser Bestände wird zusätzlich gestakt, wodurch laufende Staking-Erträge erzielt werden. Vorstand Tom Lee bezeichnet diese Strategie als „Alchemy of 5 %“, da langfristig sogar fünf Prozent des gesamten ETH-Angebots kontrolliert werden sollen.

Warum die aktuelle Situation gefährlich werden kann

Das eigentliche Problem dieser Strategien entsteht dann, wenn der Kryptomarkt über einen längeren Zeitraum unter Druck steht und die Kurse fallen. Solange Bitcoin und Ethereum steigen, wächst der Wert der Reserven und neues Kapital lässt sich relativ einfach einsammeln. Dadurch konnten Strategy und Bitmine ihre Bestände in den vergangenen Jahren immer weiter ausbauen. Sinkende Kurse verändern diese Dynamik jedoch grundlegend.

Bei Strategy belaufen sich die unrealisierten Verluste mittlerweile auf rund 13 Milliarden US-Dollar. Bitmine sitzt gleichzeitig auf Buchverlusten von mehr als 10 Milliarden US-Dollar. Zusammen ergibt sich damit ein Minus von über 23 Milliarden US-Dollar. Noch wichtiger als die Verluste selbst ist jedoch die Frage, wie lange Investoren bereit sind, weiteres Kapital bereitzustellen. Schließlich lebt das gesamte Treasury-Modell davon, regelmäßig neues Geld aufzunehmen, um weitere Bitcoin oder Ethereum kaufen zu können.

Hinzu kommt, dass Strategy inzwischen zusätzliche Verpflichtungen bedienen muss. Über verschiedene Vorzugsaktien hat das Unternehmen Kapital eingesammelt und muss dafür laufende Dividendenzahlungen leisten. Solange neues Kapital zufließt und der Bitcoin-Kurs steigt, stellt das kein Problem dar. Bleibt der Markt jedoch über einen längeren Zeitraum schwach, wächst der Druck auf die Finanzierung. Dementsprechend äußern sich immer mehr kritische Stimmen und sehen darin eine große Gefahr.

Sollte das Vertrauen der Investoren nachlassen, könnten Kapitalmaßnahmen schwieriger werden. Zudem würde eine weitere Schwäche bei Bitcoin und Ethereum die Buchverluste weiter anwachsen lassen. Ein Teufelskreis wäre die Folge. Der Mitgründer von DWF Labs, Andrei Grachev, warnte deshalb zuletzt sogar davor, dass Strategy und Bitmine im Extremfall eine gefährliche Abwärtsspirale für den gesamten Kryptomarkt auslösen könnten. 

Bitcoin und Ethereum verteidigen wichtige Unterstützungen

Wie sensibel der Markt aktuell reagiert, zeigte sich zuletzt bei Strategy. Das Unternehmen hatte einen kleinen Teil seiner Bitcoin-Bestände verkauft. Zwar handelte es sich dabei lediglich um rund 32 Bitcoin und damit um einen verschwindend geringen Anteil der insgesamt rund 845.000 Bitcoin umfassenden Reserve. Dennoch wurde die Meldung von vielen Anlegern negativ aufgenommen und sorgte kurzfristig für Verunsicherung am Markt.

Viele Anleger verbinden Strategy seit Jahren mit der konsequenten „Never Sell Bitcoin“-Strategie von Michael Saylor. Entsprechend wurde der Verkauf von einigen Marktteilnehmern als mögliches Signal für einen Stimmungswechsel interpretiert. Auch wenn Strategy den Schritt später erklärte und keine grundlegende Änderung der Unternehmensstrategie erkennbar ist, zeigte die Reaktion des Marktes, wie nervös viele Investoren derzeit sind.

Trotz der Unsicherheit konnten sich die beiden größten Kryptowährungen zuletzt an wichtigen Unterstützungszonen stabilisieren. Bitcoin verteidigte den Bereich um 60.000 US-Dollar, der bereits Anfang des Jahres eine wichtige Unterstützung darstellte und eine starke Gegenbewegung auslöste. Auch Ethereum konnte die Marke von 1.500 US-Dollar zunächst behaupten. Seit diesen Tiefpunkten haben sich beide Kryptowährungen wieder etwas erholt und einen Teil ihrer Verluste aufgeholt.

Trotzdem bleibt die Unsicherheit hoch. Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten, die Entwicklung der Inflation und damit verbundene Erwartungen an die Geldpolitik sorgen weiterhin für ein ausgeprägtes Risk-Off-Sentiment an den Finanzmärkten. Solange sich daran nichts ändert, dürfte es sowohl für Bitcoin als auch für Ethereum schwierig werden, kurzfristig neue Höchststände ins Visier zu nehmen.

Solche Phasen haben in der Vergangenheit jedoch häufig den Grundstein für eine spätere Bodenbildung gelegt. Wenn die Stimmung besonders negativ wird, Anleger nervös reagieren und selbst kleine Nachrichten große Auswirkungen auf den Markt haben, befindet sich dieser oft näher an einem Tiefpunkt als viele vermuten. Das bedeutet nicht, dass die Kurse sofort wieder steigen müssen. Die Chancen auf eine Stabilisierung und eine mögliche Bodenbildung nehmen in solchen Phasen jedoch häufig zu.

 

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