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Märkte > Ludwig-Erhard-Gipfel 2026 - Tegernsee Summit

Schneller abwehrbereit: Verteidigung als Wirtschaftsfaktor

| Anja Georgia Graw-Bärwalde | Lesezeit: 3 Min.

Fünf Personen sitzen bei einer Podiumsdiskussion auf einer Bühne des Ludwig-Erhard-Gipfels.
Bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen des Ludwig-Erhard-Gipfels wurde darüber diskutiert, dass Militär, Industrie, Forschung und Politik enger zusammenarbeiten, schneller Entscheidungen treffen und ihre Produktionskapazitäten ausbauen sollten. (Foto: Weimer Media Group)

Deutschland muss bei Verteidigung schneller werden: Militär, Industrie, Forschung und Politik sollen enger kooperieren, Drohnenabwehr ausbauen und Produktion skalieren.

Wenn es um die Verteidigungsfähigkeit geht, hat Deutschland kein Erkenntnis-, sondern ein Geschwindigkeits- und Skalierungsproblem. Das war eine Art Konsens der Vertreter von Politik, Militär und Wissenschaft, die auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel am Tegernsee über „Verteidigung als Wirtschaftsfaktor“ diskutierten. Bundeswehr, Industrie, Forschung und Politik müssten enger zusammenarbeiten, schneller entscheiden und Produktionskapazitäten kräftig ausbauen, lautete eine zentrale Forderung der von Peter Tauber, ehemaligem Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium, moderierten Runde.

Perspektivwechsel von der Beschaffung zur Produktion

Generalmajor Andreas Henne, Kommandeur der Heimatschutzdivision, brachte den dringlichsten Bedarf auf den Punkt: Drohnenabwehr. Der Heimatschutz wachse materiell spürbar, Soldatinnen und Soldaten erhielten Waffen, Fahrzeuge und Ausstattung. Doch beim Schutz kritischer Infrastruktur klaffe eine zentrale Lücke. Täglich überflögen Drohnen über Liegenschaften, Industrieanlagen und Kraftwerke. Um glaubhaft schützen zu können, brauche es rasch verfügbare Systeme zur Drohnen- und Flugkörperabwehr – nicht als Einzelstücke, sondern in der Breite.

Damit verschiebt sich der Blick von der Beschaffung zur Produktion. Henne warnte vor einem zweiten Flaschenhals: Selbst wenn ein System vorhanden sei, müsse es im Krisen- oder Kriegsfall sofort in Massen gefertigt werden können. Verteidigungsindustrie dürfe nicht länger wie eine Manufaktur funktionieren. Entscheidend sei die Fähigkeit, Produktion kurzfristig auf hunderttausende Stück hochzufahren.

Stefan Röbel, COO von ARX Robotics, beschrieb die neue Realität aus Sicht eines Defense-Tech-Unternehmens, das autonome, unbemannte Fahrzeug-Bodensysteme und Software zur Erkennung und Abwehr von Drohnen betreibt: Innovationszyklen laufen nicht mehr über Jahre, sondern über Wochen und Monate. Wer heute ein System 10.000 Mal über drei Jahre beschaffe, sei in drei Jahren längst zu spät. Die Herausforderung liege weniger im Bauen als in der Verkürzung der Interaktionszyklen zwischen Truppe, Industrie und Beschaffung.

Röbel machte klar: Das Risiko verlagert sich zunehmend auf Unternehmen. Start-ups sehen militärische Bedarfe vorher, entwickeln vor und finanzieren Innovation über Risikokapital. Doch damit daraus Wirkung entsteht, braucht es Aufträge, Skalierung und eine öffentliche Hand, die schneller reagieren kann. ARX Robotics könne bereits im kommenden Jahr mehrere Tausend Systeme produzieren – sofern der Auftrag komme.

Mehr Freiräume und direkter Austausch, weniger Regulierung

Rafaela Kraus, Professorin an der Universität der Bundeswehr München, forderte eine neue Qualität der Vernetzung. Die alte Trennung zwischen ziviler Forschung, Wirtschaft und Militär passe nicht mehr in eine Zeit, in der KI, Sensorik und autonome Systeme Entwicklungsschübe auslösen. Innovation brauche Freiräume, weniger Regulierung und direkten Austausch mit den Anwendern, so die Wirtschaftswissenschaftlerin. Inseln wie Innovationszentren reichten nicht aus; der öffentliche Sektor müsse grundlegend schneller und disruptiver werden.

Ex-Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) weitete den Blick auf Politik und Gesellschaft. Moderne Kriegsführung trenne nicht mehr sauber zwischen zivil und militärisch, sagte die Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung. Verteidigungsfähigkeit sei eine gesamtstaatliche Aufgabe. Politik müsse Verfahren anpassen, Vertrauen im Parlament schaffen und Schnellbeschaffungswege ermöglichen, ohne Kontrolle vollständig aufzugeben.

Der Kern der Debatte: Deutschland braucht nicht nur mehr Geld für Verteidigung, sondern auch Geschwindigkeit, industrielle Skalierung und ein neues Bündnis aus Militär, Industrie, Forschung und Politik. Wer Abschreckung ernst meint, muss schneller produzieren, schneller lernen und schneller entscheiden.

Sie können den Ludwig-Erhard-Gipfel live unter https://www.leg-live.de/ verfolgen.

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