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Märkte > Ludwig-Erhard-Gipfel 2026 - Tegernsee Summit

Europas Finanzinfrastruktur wird digital – und abhängig vom Dollar

| Oliver Götz | Lesezeit: 3 Min.

Matthias Voelkel sitzt auf einer Bühne vor einer Leinwand.
Matthias Voelkel im Gespräch beim Ludwig-Erhard-Gipfel. Der CEO der Börse Stuttgart fordert europäische Antworten auf Dollar-dominierte Stablecoins und den digitalen Wandel der Finanzinfrastruktur. (Foto: Weimer Media Group)

Bitcoin, Stablecoins und digitaler Euro verändern die Finanzinfrastruktur. Matthias Voelkel warnt vor Europas Abhängigkeit von US-Anbietern und fordert digitale Souveränität.

Bitcoin, Stablecoins, digitaler Euro: Beim Ludwig-Erhard-Gipfel wird deutlich, dass das Finanzsystem der Zukunft längst gebaut wird.

Von Oliver Götz

Wie sieht das Finanzsystem der Zukunft aus – und wer prägt es? Auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel reichen die Antworten von Kapitalmarktunion über Stablecoins bis hin zu Bitcoin. „Die Zukunft der Finanzinfrastruktur wird digital sein“, sagt Matthias Voelkel, CEO der Börse Stuttgart. Blockchain-Technologien, digitale Vermögenswerte und programmierbares Geld würden die Grundlage des künftigen Systems bilden. Doch in Europa gebe es bislang nur wenige relevante Anbieter – während die USA und asiatische Märkte deutlich schneller voranschreiten.

Schon jetzt sind die Deutschen und Europäer auf die USA angewiesen. „Momentan sind wir, was das Finanzsystem anbelangt, in vielerlei Hinsicht abhängig.“ Ein Beispiel sei der Zahlungsverkehr: Rund 60 bis 70 Prozent der Kreditkartenabwicklungen liefen über US-Anbieter. Voelkel spricht von einem strategischen Risiko.

Besonders deutlich wird der Rückstand beim Thema Stablecoins und digitaler Euro. Stablecoins sind digitale Währungen, deren Wert an klassische Währungen wie den Dollar gekoppelt sind. Sie spielen bereits heute eine zentrale Rolle im globalen Kryptomarkt, weil sie digitale Transaktionen schnell, günstig und rund um die Uhr ermöglichen. Das Problem aus europäischer Sicht: Der Markt wird fast vollständig von Dollar-basierten Stablecoins dominiert.

„Das Geld in dieser digitalen Infrastruktur hängt am Dollar“, warnt Voelkel. Europa brauche deshalb dringend eigene Antworten – sowohl durch europäische Stablecoins als auch durch den digitalen Euro. Letzteren bereitet die Europäische Zentralbank, allerdings mit einem Zeithorizont Richtung 2029. „Nicht der ambitionierteste Zeitplan“, beklagt Börse-Stuttgart-Chef Voelkel.

Neben technologischer Souveränität sieht er zwei weitere Baustellen: mehr Kapitalmarktbeteiligung und eine echte Kapitalmarktunion. Zu viel privates Vermögen liege weiterhin auf Sparbüchern statt produktiv am Kapitalmarkt. Dieses Kapital fehle Unternehmen für Wachstum und Innovation. Gleichzeitig habe sich die ursprünglich angestrebte europäische Kapitalmarktunion zuletzt eher in Richtung zusätzlicher Komplexität entwickelt, statt Prozesse zu vereinfachen.

Damit einhergehend nähern sich klassische Finanzwelt und Kryptobranche immer stärker an. „Das ist definitiv so“, sagt Markus Dorner, Chief Technology Officer von der Kryptohandelsplattform Bitpanda, im Gespräch mit Moderator Oliver Stock. Dorner hält dabei die bei anderen Themen häufig kritisierte Regulierung in Europa für einen wichtigen Schritt. Die neue EU-Kryptoregulierung schaffe Sicherheit, Vertrauen und klare Spielregeln – sowohl für Anbieter als auch für Kunden. Für Dorner ist Regulierung kein Hindernis, sondern ein notwendiger Sparringspartner für nachhaltiges Wachstum.

Zwar herrsche aktuell kein klassischer Krypto-Boom wie noch vor Jahren, doch Dorner sieht darin keinen Rückschritt. „Krypto hat sehr starke Spitzenlasten“, erklärt er. Viele Anleger setzten derzeit bewusst auf robustere Produkte mit geringerer Volatilität. Selbst beim Bitcoin sei die Schwankungsbreite heute deutlich geringer als noch vor acht Jahren.

Gerade darin liege auch seine Stärke: Bitcoin ermögliche Besitz und Transfer außerhalb klassischer Bankstrukturen, sagt der Bitpanda-CTO, etwa über eigene Wallets und direkte Verwahrung. Nutzer könnten Vermögenswerte deutlich freier verwalten und übertragen.

Als globale Leitwährung sieht Dorner Bitcoin nur eingeschränkt. Auf die Frage, wie Wirtschaft wachsen solle, wenn eine Währung wie Bitcoin mengenmäßig begrenzt sei, verwies er auf andere digitale Lösungen. „Es gibt nicht nur Bitcoin.“ Für die wirtschaftliche Infrastruktur seien eher Stablecoins und digitale Zentralbankwährungen relevant. Ein Ersatz des Dollars durch Bitcoin sei schwer vorstellbar – spannender werde es bei Stablecoins und dem digitalen Euro.

Das Fazit: Die Debatte um Bitcoin ist längst größer als die Frage nach Kursen und Spekulation. Es geht um digitale Souveränität und darum, wer das Finanzsystem von morgen kontrolliert.

Sie können den Ludwig-Erhard-Gipfel live unter www.leg-live.de verfolgen.

Tegernsee Summit: Der Ludwig-Erhard-Gipfel 2026

Ludwig-Erhard-Gipfel | Tegernsee Summit, findet vom 28. bis 30. April 2026 unter dem Leitthema „Zurück an die Weltspitze: Wie gelingt Deutschland der wirtschaftliche Aufschwung?“ statt. Die Konferenz gilt als etabliertes Forum für Debatten über die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands. Sämtliche Programmpunkte werden im Livestream auf der Website des Gipfels übertragen:

Mehr als 100 Speaker an drei Tagen

Gastgeber der dreitägigen Konferenz ist die Verlagsgruppe WEIMER MEDIA GROUP, Co-Veranstalter des ersten Tages ist die vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. Der Gipfel begeht in diesem Jahr seine 12. Auflage. Unter dem Motto „Zurück an die Weltspitze: Wie gelingt Deutschland der wirtschaftliche Aufschwung?“ sind mehr als 100 Speaker auf der Bühne zu hören, über 1000 Gäste werden erwartet. Die komplette Veranstaltung ist via Live-Stream auf www.ludwig-erhard-gipfel.de verfolgbar.

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