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Märkte > Ludwig-Erhard-Gipfel 2026 - Tegernsee Summit

Celonis-Gründer Nominacher: „Wir haben mehr als genug Kapital in Deutschland“

| Oliver Götz | Lesezeit: 2 Min.

Bastian Nominacher sitzt mit Mikrofon auf einer Bühne.
Bastian Nominacher sitzt auf einer Bühne beim Ludwig-Erhard-Gipfel am Tegernsee. Der Celonis-Mitgründer sieht in Deutschland genügend Kapital und fordert, es stärker für Innovationen und Start-ups einzusetzen. (Foto: picture alliance / SvenSimon | Frank Hoermann / SVEN SIMON)

Bastian Nominacher, Mitgründer von Celonis, sieht Deutschland bei KI besser aufgestellt als oft behauptet. Auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel sagte er, entscheidend sei nicht fehlendes Kapital, sondern dessen produktiver Einsatz.

Wie gut ist Deutschland auf das KI-Zeitalter vorbereitet? Bastian Nominacher, Co-CEO und Mitgründer von Celonis, zeichnet auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel am Tegernsee ein gemischtes Bild. Es gebe Unternehmen, die beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz „am absoluten Front-Ende“ seien. Gleichzeitig steckten viele Firmen noch mitten in ihrer SAP-Transformation und hätten das Thema KI noch gar nicht richtig aufgegriffen. Dennoch sei klar: Der Druck aus dem Markt zwinge Unternehmen zunehmend zur Adaption.

Celonis selbst ist eines der prominentesten deutschen Softwareunternehmen im KI- und Prozessmanagement-Bereich. Die Münchener starteten 2011 und sind vor allem für sogenanntes Process Mining bekannt –die Analyse und Optimierung von Unternehmensprozessen anhand von Daten. Gerade im Zusammenspiel mit generativer KI gewinnt dieses Feld stark an Bedeutung, etwa wenn repetitive Aufgaben automatisiert oder Ausschreibungen vollständig von KI-Agenten bearbeitet werden.

Viele Unternehmen würden Geschäft verlieren, weil sie Ausschreibungen nicht schnell genug beantworten könnten, sagte Nominacher. Mit KI-Agenten lasse sich dieser Prozess inzwischen nahezu vollständig automatisieren. Auch deshalb widersprach er dem Eindruck, Deutschland komme bei der Umsetzung zu langsam voran.

Journalist Oliver Stock, der den Celonis Co-Chef interviewte, erinnerte daran, dass schon vor einem Jahr darüber gesprochen wurde – warum dauere dann etwa eine Baugenehmigung noch immer sechs Monate statt nur 24 Stunden? Nominacher verwies auf die inzwischen deutlich leistungsfähigeren KI-Modelle und betonte, dass gerade im Unternehmensumfeld bereits eine sehr starke KI-Adaption stattfinde.

Besonders deutlich wurde der Entrepreneur beim Thema Kapitalverfügbarkeit. Deutschland habe kein Finanzierungsproblem, sagte der Unternehmer. „Wir haben mehr als genug Kapital in Deutschland.“ Die hohe Sparquote zeige das deutlich. Das Problem sei vielmehr, dieses Kapital produktiv einzusetzen.

Als Beispiel nannte er Pensionskassen, die deutlich stärker in Venture Capital investieren könnten. Gerade dort liege ein großer Hebel – nicht nur für Innovationen und Start-ups, sondern auch für die Altersvorsorge im Land. „Das steigert die Rendite.“

Deutschland sei zudem ein hervorragender Ausbildungsstandort. An der Technischen Universität München studierten rund 7000 Menschen Informatik, an der Stanford University seien es aktuell nur etwa 1600. Für Nominacher zeigt das: Es fehlt nicht an Talenten, sondern an konsequenten Investitionsentscheidungen.

Auch beim Thema Arbeitsmarkt bleibt er optimistisch. Als Unternehmer sei sein Glas „immer eher halbvoll“. KI sei eine große Chance, weil sie Ressourcen freisetze – weg von reiner Umsetzung, hin zum eigentlichen Wertschöpfungsprozess. Deutschland müsse dabei nicht zwingend ein eigenes Sprachmodell entwickeln. Viel wichtiger sei es, bestehende Infrastruktur klug zu nutzen und sie über den industriellen Mittelstand und Hidden Champions zu veredeln. Ein Plädoyer also für mehr Pragmatismus statt Technologie-Pessimismus – ganz im Sinne des Ludwig-Erhard-Gipfels, der auch einer des Aufbruchs sein soll.

Co-Veranstalter des ersten Konferenztages ist die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw).

Sie können den Ludwig-Erhard-Gipfel live unter https://www.leg-live.de/ verfolgen.

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