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Rohstoffe > Zollschock am Kupfermarkt

Erst Rekordkurs, dann Rekordeinbruch: Kupferpreis fällt nach US-Zoll-Kehrtwende

| Thomas Behnke

Offenes Kupferkabel mit Funkenflug als Symbol für Spannung am Kupfermarkt
Durchschlag am Kupfermarkt: US-Zölle sorgen für Spannungsbruch beim Preis und belasten auch Kupferaktien wie Freeport-McMoRan und Southern Copper. (Foto: shutterstock)

US-Zölle auf Kupferprodukte treiben den Preis erst auf ein Rekordhoch, dann folgt ein historischer Absturz. Auch Aktien von Produzenten wie Freeport-McMoRan und Southern Copper geraten unter Druck.

Die aktuellen Geschehnisse am Kupfermarkt sind ein Paradebeispiel für die Auswirkungen geopolitischer Eingriffe auf Rohstoffpreise und die damit verbundenen Risiken. Noch vor wenigen Wochen stieg der Kupferpreis in den USA auf ein nie dagewesenes Niveau. Jetzt folgt der tiefe Fall: An der US-Terminbörse COMEX brach der Preis innerhalb eines Tages um über 20 Prozent ein und verzeichnete damit den größten Intraday-Verlust in der Geschichte des Metalls. Die Ursache? Ein politisches Manöver, das zunächst für Euphorie und dann für Ernüchterung sorgte – nicht nur beim Kupferpreis selbst, sondern auch bei den Aktien führender Produzenten wie Freeport-McMoRan und Southern Copper.

Wie drohende US-Zölle den Kupferpreis auf Rekordniveau trieben

Der Ursprung der Rallye liegt im Frühjahr: US-Präsident Donald Trump kündigte an, ab dem 1. August einen Importzoll von 50 Prozent auf Kupferprodukte zu verhängen, ohne zunächst zu differenzieren, ob davon auch Kupfer in Rohform, wie etwa Kathoden oder Konzentrate, betroffen wären. Die Folge war ein beispielloses Phänomen: US-Kupfer wurde mit einem Aufpreis von zwischenzeitlich über 25 Prozent gegenüber dem Referenzpreis an der London Metal Exchange (LME) gehandelt.

Trader und Industrieunternehmen weltweit versuchten, vor Inkrafttreten der Zölle noch möglichst viel Kupfer in die USA zu verschiffen – ein klassisches Beispiel für das sogenannte „Frontloading“. Der physische Markt in den USA sog das Metall regelrecht auf, während sich außerhalb der USA eine relative Knappheit abzeichnete. Dies führte zu einem massiven Preisaufschlag von teilweise mehr als 3.000 US-Dollar je Tonne. Der Preishöhepunkt und zugleich ein neuer Rekord an der COMEX wurde am 24. Juli mit über 13.000 US-Dollar je Tonne verzeichnet. Zum gleichen Zeitpunkt kostete das Industriemetall in London 9.857 US-Dollar. Bemerkenswert war dabei nicht nur die absolute Höhe, sondern auch der signifikante Preisanstieg des US-Kupfers seit dem Tief im April von fast 50 Prozent.

US-Zollwende lässt Kupferpreis einbrechen

Doch nun kam die Kehrtwende: Anstatt, wie befürchtet, sämtliche Kupferimporte zu belasten, sollen die Zölle laut einer Mitteilung der US-Regierung vom Mittwoch nur auf halbfertige Produkte wie Kupferrohre, -drähte und -bleche erhoben werden. Rohformen wie Kathoden bleiben dagegen zollfrei.

Die unmittelbare Reaktion? Der Preisaufschlag brach zusammen. Die Kurse der COMEX-Kupfer-Futures stürzten ab. Es kam zu einem Verlust von rund 20 Prozent. Händler, die über Monate riesige Kupfermengen in die USA verschifft hatten, sitzen nun auf Lagerbeständen, für die sich kaum noch ein Aufpreis erzielen lässt. Einige Analysten erwarten sogar, dass Teile dieser Mengen wieder aus den USA exportiert werden könnten.

Zwischen Zöllen und Zukunftstrends: Was Kupferanleger jetzt beachten sollten

Dieser Vorfall bietet Anlegern und Marktbeobachtern eine wichtige Lektion: Politische Eingriffe können Preise massiv verzerren, sich aber auch genauso schnell wieder normalisieren. Langfristig bleibt Kupfer jedoch ein strategischer Rohstoff. Megatrends wie Urbanisierung, der Ausbau von Stromnetzen, die Entwicklung von Speichertechnologien und die generell zunehmende globale Elektrifizierung lassen eine steigende Nachfrage erwarten. Die Fundamentaldaten selbst haben sich durch den politischen Zickzackkurs der USA kaum verändert. Die globale Nachfrage nach Kupfer bleibt robust, wenngleich kurzfristige Überangebote, insbesondere in den USA, Druck auf die Preise ausüben könnten.

Grundsätzlich gilt außerdem: Die Kupferpreise schwanken stark. Ausgelöst werden kann dies beispielsweise durch Konjunkturzyklen oder, wie zuletzt, durch politische Eingriffe wie Zölle. Diese Faktoren verstärken die typischen Marktzyklen und erhöhen somit die Volatilität. Deshalb gilt es auch bei Investments oder Trading-Positionen in Kupfer, nicht alles auf eine Karte zu setzen und Handelsgrößen so zu wählen, dass markante Kurseinbrüche wie zuletzt nur begrenzte Auswirkungen auf das Depot haben.

Kupferproduzenten unter Druck: Kursverluste bei Freeport-McMoRan und Southern Copper nach Preisrutsch

Im Zuge des Preisrutsches gerieten auch Aktien von Unternehmen, die eng mit der Kupferproduktion verbunden sind, spürbar unter Druck. Besonders stark betroffen waren am Mittwoch Titel wie Freeport-McMoRan (ISIN: US35671D8570) und Southern Copper (ISIN: US84265V1052), die jeweils deutlich nachgaben. Beide Konzerne zählen zu den größten Kupferproduzenten der Welt und reagieren erfahrungsgemäß besonders sensibel auf Preisbewegungen des Metalls. Da sich der starke Preisaufschlag in den USA in kürzester Zeit in Luft aufgelöst hat, preist der Markt derzeit niedrigere Margen und einen möglichen Rückstau in den Absatzmärkten ein. Für investierte Anleger bedeutet das, weitere kurzfristige Rückschläge einzuplanen, aber auch die langfristigen Perspektiven im Blick zu behalten.

Freeport-McMoRan: Kursrutsch nach starker Rallye – jetzt beobachten

Beide Aktien begleiteten die Rallye des US-Kupferpreises seit dem Frühjahr mit kräftig steigenden Kursen. Freeport-McMoRan legte dabei bis Anfang Juli sogar um mehr als 75 Prozent zu und damit stärker als das Industriemetall selbst. Ein unterstützender Faktor dürfte der im Frühjahr gestiegene und seither stabile Goldpreis gewesen sein. Freeport-McMoRan ist zwar in erster Linie im Kupfergeschäft tätig, aber auch im Goldbereich aktiv. Ein Großteil des Goldes stammt dabei nicht aus eigenständigen Goldminen, sondern fällt als Nebenprodukt der Kupferförderung an.

Mit dem jüngsten Kurseinbruch, der die laufende Korrektur seit Anfang Juli fortsetzt, könnte sich für Anleger mittelfristig eine interessante Einstiegsgelegenheit ergeben. Ein Blick auf die Bewertung stützt diese Überlegung: Das Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV) liegt aktuell bei 7,5 und erscheint nicht nur absolut, sondern auch im historischen Vergleich zum langjährigen Durchschnitt von 7,6 attraktiv.
Da das Chartbild kurzfristig weiterhin schwach wirkt, sollte jedoch nicht vorschnell gehandelt werden. Bessere Einstiegskurse sind nicht ausgeschlossen. Die Aktie ist dennoch ein Kandidat für die Watchlist.

Watchlist statt blinder Einstieg ist derzeit der ratsamere Weg

Die aktuellen Entwicklungen in der US-Zollpolitik verdeutlichen erneut, wie stark politische Entscheidungen die Rohstoffmärkte beeinflussen und welche direkten Auswirkungen dies auf die Preise und die Bewertung von Unternehmen hat. Für Anleger bedeutet das, dass der Kupfermarkt spannend, aber auch volatil bleibt. Wer hier aktiv ist oder einsteigen möchte, sollte politische Risiken im Blick behalten, technische Marken respektieren und mit Augenmaß agieren. Watchlist statt blinder Einstieg ist derzeit der ratsamere Weg.

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