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Krypto > Kryptowährung im Aufwind

Bitcoin im Mai verkaufen? Diese Entscheidung könnte teuer werden

Bitcoins.
Der Bitcoin wird wieder teurer. Eine Sell in May-Strategie ist aber nicht nur deshalb bei der Kryptowährung ein Risiko. (Foto: Shutterstock)

Eine der berühmtesten Börsenweisheiten lautet: „Sell in May and go away.“ Eine Regel, die Bitcoin-Anleger besser ignorieren.

Von Louis Blümlein 

Der Mai hat begonnen und die Märkte geben sich freundlich. Bitcoin konnte zuletzt wieder zulegen und notiert aktuell auf hohem Niveau. In dieser Phase kommt die bekannte Strategie „Sell in May“ wieder ins Spiel, die Anleger dazu verleiten könnte, Positionen vorschnell zu schließen.

Die Idee hinter „Sell in May“ geht weit zurück und stammt aus einer Zeit, in der die Finanzmärkte noch völlig anders strukturiert waren. Bereits im 19. Jahrhundert war es in London üblich, dass wohlhabende Investoren im Sommer die Stadt verließen und sich auf ihre Landsitze zurückzogen. In dieser Phase fehlte Kapital im Markt, die Aktivität nahm ab und die Kurse entwickelten sich schwächer. Erst im Herbst kehrten diese Investoren zurück und sorgten wieder für Bewegung.

Über viele Jahrzehnte hinweg ließ sich dieses Muster auch statistisch beobachten. Beim US-Aktienmarkt war die Phase von Mai bis Oktober im Durchschnitt schwächer als die Monate zuvor. Daraus entstand eine scheinbar einfache Strategie, bei der Anleger im Frühjahr verkaufen und im Herbst wieder einsteigen.

Allerdings ist dieser Effekt nicht losgelöst vom Verhalten der Marktteilnehmer zu betrachten. Je mehr Anleger sich an dieser Regel orientieren, desto eher kann sie sich kurzfristig bestätigen. Ein Teil der Entwicklung ist damit nicht nur historisch bedingt, sondern entsteht auch durch die Erwartungshaltung selbst.

Gleichzeitig haben sich die Märkte stark verändert. Heute wird rund um die Uhr gehandelt, Kapital ist global verfügbar und algorithmische Systeme dominieren große Teile des Handels. Die ursprünglichen Gründe für eine schwächere Sommerphase spielen kaum noch eine Rolle. In der Praxis zeigt sich deshalb, dass Anleger mit einem konsequenten Ausstieg im Mai häufig schlechter abgeschnitten haben als mit einer einfachen Buy-and-Hold-Strategie. Auch in den Sommermonaten entstehen regelmäßig Aufwärtsbewegungen, die bei einem Ausstieg verpasst werden.

Warum Bitcoin sich kaum an solche Muster hält

Für Bitcoin lässt sich die klassische „Sell in May“-Logik nur schwer übertragen. Der Markt folgt eigenen Dynamiken und reagiert deutlich stärker auf aktuelle Kapitalströme als auf saisonale Muster.

Ein Blick auf die jüngste Entwicklung zeigt das deutlich. Der April verlief für Bitcoin außergewöhnlich stark. Der Kurs konnte rund 18 Prozent zulegen und notiert mittlerweile wieder über der Marke von 80.000 US-Dollar. Diese Stärke setzt sich aktuell in den Mai fort und spricht eher für eine Trendfortsetzung als für einen plötzlichen Bruch.

Dieses Verhalten ist typisch für Bitcoin. Läuft der Markt einmal, wird die Bewegung häufig weitergetragen, anstatt direkt in eine schwächere Phase überzugehen. Hier passt die berühmte Börsenregel nicht mehr zum Marktverhalten.

Auch aus Sicht von Analysten wird die Relevanz solcher Strategien zunehmend infrage gestellt. Der Bloomberg-ETF-Experte Eric Balchunas sieht „Sell in May“ in modernen Märkten als überholt an. In einem Umfeld, das von algorithmischem Handel und rund um die Uhr verfügbaren Märkten geprägt ist, verlieren einfache saisonale Muster zunehmend an Aussagekraft.

Zusammen mit der Marktstruktur ergibt sich ein klares Bild. Starre saisonale Muster lassen sich nur schwer auf einen Markt übertragen, der rund um die Uhr aktiv ist und stark von Kapitalströmen, Makrodaten und neuen Technologien beeinflusst wird.

Fazit

Rücksetzer im Bitcoin-Kurs bleiben jederzeit möglich, vor allem nach der starken Entwicklung in den vergangenen Wochen. Auch geopolitische Unsicherheiten können weiterhin für Bewegung im Markt sorgen.

Gleichzeitig zeigt sich Bitcoin aktuell stabil und notiert weiterhin auf einem hohen Niveau. Die Kursentwicklung widerspricht damit einer klaren saisonalen Schwächephase, wie sie mit der Börsenregel „Sell in May“ verbunden wird.

Der Mai-Effekt bleibt damit ein Faktor, der im Markt diskutiert wird. Die aktuelle Entwicklung zeigt jedoch, dass sich solche Muster nicht immer eindeutig auf den Markt übertragen lassen.

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