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Bitcoin zwischen „Uptober“ und „Downtober“ – Absturz durch Margin Calls

| Thomas Behnke

Grafische Darstellung eines Bitcoin-Symbols vor rotem Kurschart mit fallenden Linien – Symbol für Kurssturz und Marktvolatilität.
Ein roter Bitcoin-Chart symbolisiert den plötzlichen Kursrückgang und die Volatilität am Kryptomarkt. Margin Calls und Zwangsliquidationen verstärkten die Dynamik. (Foto: shutterstock)

Vom „Uptober“ zum beinahe „Downtober“: Margin Calls und Panikverkäufe führten am Freitag zum heftigsten Bitcoin-Rückschlag an einem Tag in diesem Jahr – doch schon am Wochenende zeigte sich der Markt erstaunlich stabil.

Noch vor wenigen Tagen wurde in der Krypto-Community über einen möglichen „Uptober“ spekuliert. Neue Rekorde, frischer Optimismus und ein steigendes Handelsvolumen ließen den Bitcoin wieder im Rallyemodus erscheinen. Doch am vergangenen Freitag wendete sich das Blatt abrupt. Innerhalb weniger Stunden stürzte der Bitcoin-Kurs von über 121.000 US-Dollar auf zeitweise rund 107.000 US-Dollar ab. Fast 300 Milliarden US-Dollar an Börsenwert lösten sich damit in Luft auf. Der „Uptober“ schien zum „Downtober“ zu werden. Doch wie konnte es zu einem derart heftigen Rückschlag kommen?

Schwarzer Freitag: Ein Handelstag, der es in sich hatte

Der Freitag, der 10. Oktober 2025, markierte für viele Bitcoin-Anleger einen Schockmoment. Nach einer wochenlangen Aufwärtsbewegung, die den Bitcoin wenige Tage zuvor auf ein neues Rekordhoch geführt hatte, kam es zu einem regelrechten Kursbeben. Zwischen dem Vortagesschluss von 121.695 US-Dollar und dem Intraday-Tief von 107.000 US-Dollar lagen rund zwölf Prozent Verlust. Damit wurden in kürzester Zeit 293 Milliarden US-Dollar an Marktkapitalisierung vernichtet. Seit dem Rekordhoch summieren sich die Verluste auf etwa 370 Milliarden US-Dollar.

Solch heftige Kursbewegungen haben naturgemäß Ursachen. Diese wurden auch schnell gesucht. Als Auslöser gelten laut Marktbeobachtern die erneuten Zoll-Drohungen von US-Präsident Donald Trump gegen China. Er hatte angekündigt, bestehende Importzölle um bis zu 100 Prozentpunkte anzuheben, sollte Peking nicht auf neue Handelsforderungen eingehen. Diese Aussagen sorgten vor dem Wochenende für eine spürbare Eintrübung der Stimmung an den Finanzmärkten, weshalb auch die großen US-Aktienindizes deutlich nachgaben.

Warum Zölle auf chinesische Waren den Bitcoin fallen lassen

Auf den ersten Blick erscheint es unlogisch, dass mögliche US-Importzölle auf chinesische Güter den Kurs des Bitcoin beeinflussen könnten. Schließlich ist der Handel mit der Kryptowährung weder direkt noch indirekt von Handelsbarrieren oder Lieferketten betroffen. Die Wirkung zeigte sich jedoch auf Umwegen. Viele Anleger dürften nach dem jüngsten Rekordhoch auf weiter steigende Kurse gesetzt haben, häufig auch mit hohem Hebel. Als die Aktienmärkte am Freitag ins Rutschen gerieten, kam es zu sogenannten Margin Calls, also Nachschussforderungen der Broker. Um diese erfüllen zu können, mussten Positionen geschlossen werden – möglicherweise auch bei Bitcoin.

Was daraufhin folgte, war eine Verkaufskaskade. Zwangsliquidationen stark gehebelter Positionen lösten eine Welle automatischer Verkäufe aus, die den Kurs weiter nach unten drückten. Ein klassischer Dominoeffekt in einem hochdynamischen Marktumfeld.

Rekord-Liquidationen erschüttern den Kryptomarkt

Wie massiv diese Kettenreaktion war, zeigen Daten der Analyseplattform CoinGlass. Demnach wurden am Freitag innerhalb von nur 24 Stunden rund 1.618.240 Trader zwangsliquidiert – also über 1,6 Millionen Marktteilnehmer, deren Positionen automatisch geschlossen wurden. Das gesamte Liquidationsvolumen belief sich auf 19,13 Milliarden US-Dollar. Damit gilt es als die bislang größte Liquidationswelle in der Geschichte der Kryptowährungen. Und selbst diese Zahl dürfte noch untertrieben sein, da beispielsweise Binance laut CoinGlass nur eine Liquidation pro Sekunde im öffentlichen Feed anzeigt. Viele weitere Liquidationen bleiben daher unsichtbar. Neben diesen massiven Liquidationen könnte jedoch noch ein weiterer Faktor zur Schärfe des Einbruchs beigetragen haben.

Spiel der Whales: Haben große Adressen den Absturz verstärkt?

Am Markt wird zudem darüber spekuliert, dass der jüngste Einbruch auch durch das Verhalten großer Adressen, sogenannter „Whales“, verstärkt worden sein könnte. Diese verfügen über erhebliche Bestände und könnten durch gezielte Verkäufe oder das Auslösen von Stop-Loss-Marken zusätzliche Abwärtsdynamik erzeugt haben. Manche Marktbeobachter vermuten, dass ein solcher Schritt bewusst in Kauf genommen wurde, um in der Folge auf niedrigerem Kursniveau wieder Positionen aufzubauen.

Belegen lässt sich diese Vermutung zwar nicht, doch sie passt zu einem Muster, das an Kryptomärkten immer wieder zu beobachten ist: Wenn die Liquidität abnimmt und hohe Hebel im Spiel sind, können schon vergleichsweise kleine Transaktionen eine Kettenreaktion auslösen.

Im aktuellen Fall stellt sich zudem die Frage, ob einige Akteure möglicherweise bereits im Vorfeld von der Zollankündigung wussten und sich entsprechend positioniert haben. Denkbar ist, dass Informationsvorsprünge einzelner Marktteilnehmer den Kursrutsch zusätzlich beschleunigt haben – zumal der Trump-Regierung in der Vergangenheit wiederholt vorgeworfen wurde, wirtschaftsnahe Kreise durch frühzeitige Hinweise oder politische Entscheidungen zu begünstigen.

Technische Erholung am Wochenende: Wichtige Unterstützung hält

Nach der Panikwelle am Freitag zeigte sich der Bitcoin am Wochenende deutlich stabiler. Der Kurs kletterte wieder über die Marke von 115.000 US-Dollar und konnte damit einen Teil der Verluste wettmachen.

Charttechnisch ist besonders bemerkenswert, dass der Bitcoin – wie schon Anfang und Ende September – erneut am 21-Wochen-Durchschnitt, der in etwa der 150-Tagelinie entspricht, auf Unterstützung gestoßen ist. Nach einem kurzen Unterschreiten konnte diese wichtige Linie rasch zurückerobert werden. Das spricht dafür, dass die Korrektur womöglich bereits ausgestanden ist und vor allem kurzfristig orientierte sowie stark gehebelte Anleger aus dem Markt gedrängt wurden. Für die mittelfristige Perspektive könnte das sogar ein positives Signal sein.

Ob es nun sofort weiter aufwärtsgeht und schon bald wieder neue Rekorde erreicht werden, steht zwar auf einem anderen Blatt. Aktuell sieht es jedoch so aus, als hätte der Bitcoin den jüngsten Einbruch erst einmal gut verkraftet.

Volatilität bleibt ein ständiger Begleiter

Auch wenn sich die Lage inzwischen beruhigt hat, zeigt der jüngste Rücksetzer eindrucksvoll, wie volatil der Bitcoin bleibt. Wer mit Hebelprodukten oder großen Einzelpositionen handelt, muss sich der Risiken bewusst sein. Ein vernünftiges Risikomanagement ist entscheidend, um das Depot nicht durch plötzliche Kursrutsche zu ruinieren. Der Bitcoin ist und bleibt ein hochdynamisches Anlagevehikel, das Chancen bietet, aber auch extreme Bewegungen in beide Richtungen.

Rückschläge bei Bitcoin als Chance für langfristige Anleger

Für langfristig orientierte Investoren könnten Korrekturen wie die jüngste auch eine Gelegenheit darstellen. Wer an die Zukunft des Bitcoin als digitales Wertaufbewahrungsmittel glaubt, sollte sich von solchen Rückgängen nicht verunsichern lassen, sondern sie als Chance auf attraktive Einstiegsniveaus begreifen. Ein wesentlicher Grund dafür liegt in der Begrenztheit der Kryptowährung: Es wird niemals mehr als 21 Millionen Bitcoin geben. Diese Knappheit macht die Digitalwährung zunehmend interessant – nicht nur für Privatanleger, sondern auch für große institutionelle Investoren und sogar für Staaten, die Bitcoin inzwischen in ihre Bilanzen aufnehmen.

Im Gegensatz zu klassischen Währungen, die nahezu unbegrenzt vermehrt werden können, ist Bitcoin durch seine fixe Geldmenge strukturell deflationär angelegt. Während US-Dollar, Euro oder Yen (also sogenannte Fiat-Währungen, die von Zentralbanken ausgegeben werden) durch anhaltende Geldschöpfung und hohe Staatsverschuldung stetig an Kaufkraft verlieren, gilt Bitcoin, ähnlich wie Gold oder Silber, als Schutz vor Inflation und Währungsentwertung. Diese Eigenschaft macht ihn für viele Anleger zum „digitalen Gold“.

Zwischen „Uptober“ und „Downtober“ – was Anleger aus dem Rückschlag lernen können

Auch wenn es nach dem Kurseinbruch kurzzeitig nach einem „Downtober“ aussah, hat sich der Bitcoin erstaunlich schnell gefangen. Das zeigt, wie robust der Markt mittlerweile geworden ist – trotz aller Volatilität. Zugleich erinnert der Rückschlag daran, dass selbst eine Rekordrally jederzeit von plötzlichen Korrekturen unterbrochen werden kann. Für Anleger bedeutet das: Wer die Chancen der Kryptowährung nutzen will, muss auch mit ihren Risiken leben. Disziplin, ein klarer Anlagehorizont und ein vernünftiges Risikomanagement bleiben die besten Begleiter in einem Markt, der immer wieder beweist, dass er ebenso schnell korrigieren wie neue Höhen erreichen kann.

Das sollten Anleger wissen

Was ist ein Margin Call?
Ein Margin Call tritt ein, wenn der Wert einer gehebelten Position unter eine bestimmte Sicherheitsgrenze fällt. Der Broker fordert dann zusätzliches Kapital, um die Position zu halten. Erfolgt keine Nachschusszahlung, wird die Position automatisch geschlossen.

Was bedeutet Zwangsliquidation?
Zwangsliquidationen entstehen, wenn Trader auf Kredit (Hebel) handeln und der Broker ihre Positionen schließt, um Verluste zu begrenzen. Bei hohem Hebel und fallenden Kursen kann das Verkaufswellen auslösen.

Was sind „Whales“ im Kryptomarkt?
Als „Whales“ werden große Bitcoin-Adressen bezeichnet, die über erhebliche Bestände verfügen und durch gezielte Käufe oder Verkäufe den Markt spürbar bewegen können.

Was steckt hinter dem Begriff „Uptober“?
„Uptober“ ist ein Kofferwort aus „up“ und „October“ und beschreibt den in der Krypto-Community häufig optimistisch erwarteten Oktober, in dem Bitcoin traditionell stark performt.

FAQ „Bitcoin nach dem Absturz – die wichtigsten Fragen“

Wie stark ist der Bitcoin gefallen?
Am 10. Oktober verlor der Bitcoin zeitweise rund zwölf Prozent seines Wertes und fiel von über 121.000 auf 107.000 US-Dollar.

Ist der Rücksetzer eine Kaufchance?
Langfristig orientierte Anleger sehen in solchen Korrekturen oft attraktive Einstiegsniveaus. Wer investiert, sollte jedoch auf ein solides Risikomanagement achten.

Warum hat Donald Trumps Zollankündigung den Kurs beeinflusst?
Obwohl Bitcoin selbst nicht von Zöllen betroffen ist, sorgte die allgemeine Marktverunsicherung für Verkaufsdruck und löste Margin Calls aus.

Wie viele Anleger waren betroffen?
Laut CoinGlass wurden über 1,6 Millionen Trader innerhalb von 24 Stunden zwangsliquidiert – ein historischer Rekord.

Könnten Whales den Absturz verstärkt haben?
Am Markt wird darüber spekuliert, dass große Adressen gezielt Verkäufe auslösten, um günstigere Einstiegskurse zu erhalten. Belegen lässt sich das allerdings nicht.

Wie steht der Bitcoin aktuell da?
Nach einer technischen Erholung notiert der Bitcoin wieder über 115.000 US-Dollar und hält wichtige charttechnische Unterstützungen.

Was können Anleger aus dem Rückschlag lernen?
Risikomanagement bleibt entscheidend. Krypto-Investments erfordern Geduld, Disziplin und die Bereitschaft, hohe Schwankungen auszuhalten.

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