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Märkte > Ludwig-Erhard-Gipfel 2026 - Tegernsee Summit

Theo Waigel: Mut und machen

| Oliver Götz | Lesezeit: 4 Min.

Theo Waigel an einem Rednerpult beim Ludwig-Erhard-Gipfel.
Theo Waigel nahm auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel den Freiheitspreis der Medien entgegen. (Foto: Weimer Media Group)

Theo Waigel erhält auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel den Freiheitspreis der Medien 2026 und fordert mehr politischen Mut für Europa, Verteidigung und Soziale Marktwirtschaft.

Michail Gorbatchow hat ihn bekommen, Jean Claude-Juncker, Wolodymyr Selenskyi, Julia Nawalnaja, zuletzt Joachim Gauck. In diesem Jahr geht der Freiheitspreis der Medien an „Mr. Euro“ Theo Waigel. Begleitet von langem Applaus nahm der ehemalige Bundesfinanzminister und CSU-Ehrenvorsitzende den Preis am ersten Konferenztag des Ludwig-Erhard-Gipfels am Tegernsee entgegen. Ausgezeichnet wurde er für seine Verdienste rundum die deutsche Einheit und die europäische Währungsunion. „Theo gratias (Theo sei Dank), du verdienst ihn wirklich“, sagte der ehemalige österreichische Bundeskanzler Wolfgang Schüssel in seiner Laudatio. Er bezog sich auf den CSU-Granden Franz Josef Strauß, der Waigel einst häufig mit Theodor ansprach, was übersetzt so viel heißt wie „Geschenk Gottes“. Waigel scherzte in seiner Dankesrede wenig später zurück: „Dessen waren sich die Deutschen und auch meine Parteifreunde nicht immer voll bewusst, aber ich will das nicht vertiefen.“

Europa und der Euro als Garanten für Frieden und Wohlstand

Dafür nutzte Waigel die Bühne auf Gut Kaltenbrunn für eine Ode an die Soziale Markwirtschaft. „Die von Ludwig Erhard durchgesetzte Soziale Marktwirtschaft ist das erfolgreichste demokratische, ökonomische Gesellschaftsmodell in Deutschland, in Europa und in der Welt“, sagte der inzwischen 87-Jährige. Zwar stehe sie nicht im Grundgesetz, doch sei sie im Staatsvertrag zur europäischen Wirtschafts- und Währungsunion verankert. „So haben wir der Sozialen Marktwirtschaft eine staatsrechtliche Qualität gegeben.“

Waigel war von 1989 bis 1998 Bundesfinanzminister und hat wie kaum ein anderer deutscher Politiker die wirtschaftliche und politische Integration Europas geprägt. Als einer der Architekten der Wirtschafts- und Währungsunion habe er die Grundlagen für den Euro geschaffen, „nicht als rein ökonomisches Projekt, sondern als historische Entscheidung für ein geeintes und friedliches Europa“, hieß es in der Jurybegründung zum Freiheitspreis. Freiheit habe immer im Zentrum von Waigels Wirken gestanden. „Europa öffnete Grenzen und vergrößerte die Freiheit der Menschen. Der Euro sorgte für Stabilität – und erweiterte damit die wirtschaftlichen Freiräume.“

Christiane Goetz-Weimer, Verlegerin der Weimer Media Group, die den Ludwig-Erhard-Gipfel in diesem Jahr zum zwölften Mal ausrichtet, attestierte Waigel mit dem Euro „eine Entscheidung von historischer Tragweite, als Ausdruck von Zusammenhalt und politischer Handlungsfähigkeit Europas“. Gerade in einer Zeit geopolitischer Spannungen zeige sich, wie weitreichend diese Weichenstellung gewesen sei.

Waigel selbst gibt auch im hohen Alter noch den Macher und Zukunftsdenker. Statt sich groß mit seiner Auszeichnung zu beschäftigen, blickte Waigel auf dem Gipfel auf aktuelle Herausforderungen, etwa Europas Verteidigungsfähigkeit zu stärken. Es verwies dabei auf den Vordenker der Marktwirtschaft, Adam Smith. Dieser habe schon vor 300 Jahren darauf hingewiesen, dass Gesellschaften, die besser und schneller wüchsen als ihre Nachbarn, leichtsinnig würden und ihre Wehrtüchtigkeit einbüßten. Und: „Verteidigung ist von größerer Bedeutung als Wohlstand, denn ohne Verteidigung gibt es keinen Wohlstand.“ Für Waigel bedeutet das: „Die Wehrfähigkeit eines Landes muss auch in Friedenszeiten gewahrt werden.“ Es sei an der Zeit, eine Europäische Verteidigungsgemeinschaft endlich zu etablieren.

Zusammenarbeit und Mut in Krisenzeiten

Waigel forderte mehr Mut in der Politik. Konrad Adenauer (CDU) habe mit seiner West- und Europapolitik eine unglaubliche Idee verwirklicht. Ludwig Erhard (CDU) habe mit der sozialen Marktwirtschaft die beste Wirtschafts- und Gesellschaftsform der Welt geschaffen. Weiter verwies er auf Karl Schiller (SPD) und Franz Josef Strauß, die in einer konzertierten Aktion in der ersten großen Koalition zwischen 1966 und 1969 zusammengearbeitet hätten, sowie Rainer Barzel (CDU) und Helmut Schmidt (SPD), die als Fraktionsvorsitzende die Dinge zusammengehalten hätten. „Hier könnten sich Spahn, Miersch, sowie der gegenwärtige Finanzminister und die Wirtschaftsministerin etwas von abschneiden, wie man in einer schwierigen Situation trotz unterschiedlichster Positionen etwas erreichen kann.“ Jens Spahn leitet die CDU-Fraktion im Bundestag, Matthias Miersch die der SPD. Auch Gerhard Schröder (SPD) nannte Waigel mit seiner Agenda 2010 als Vorbild.
In der Finanzkrise sei es überdies mutig und richtig gewesen den in Schwierigkeiten geratenen Staaten zu helfen. „Wenn ich mir heute überlege, dass die fünf Reformstaaten, Griechenland, Portugal, Spanien, Zypern und Irland, was die implizite Staatsschuld anbelangt, besser dastehen als wir, dann könnten wir da durchaus etwas daraus lernen.“

Kurz blickte der Preisträger auch auf die deutsche Einheit und den ehemaligen sowjetischen Staatschef Michail Gorbatchow zurück. Gorbatchow habe seine Ideen für wichtiger gehalten als die politische Macht. „Damit hat er sich um Deutschland, Europa und die Welt unglaublich verdient gemacht“, sagte Waigel. Ein Brief des ehemaligen sowjetischen Präsidenten sei ihm noch heute besonders wertvoll. Kurz vor seinem Tod habe sein letzter Satz gelautet: „Lieber Theo, ich drücke Ihre Hand ganz fest.“ Das seien Dinge, die bleiben“, berichtet Waigel. „Das war politische Führung.“

Sie können den Ludwig-Erhard-Gipfel live unter https://www.leg-live.de/ verfolgen.

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