Beitrag teilen

Link in die Zwischenablage kopieren

Link kopieren
Suchfunktion schließen
Märkte > Ludwig-Erhard-Gipfel 2026 - Tegernsee Summit

Deutschlandfonds: KfW-Chef Stefan Wintels fordert Offenheit für innovative Finanzierung

| Vera König | Lesezeit: 4 Min.

Mann im Anzug mit Brille und Headset vor einem Bildschirm.
KfW-Chef Stefan Wintels sieht im Deutschlandfonds einen Hebel, um private Investitionen in Industrie, Energieinfrastruktur und Start-ups zu mobilisieren. (Foto: KfW)

Investitionen in Deutschland ankurbeln: KfW-Chef Stefan Wintels spricht im Vorfeld seiner Rede beim Ludwig-Erhard-Gipfel über die Idee des Deutschlandfonds und die Hürden.

KfW-Chef Stefan Wintels erklärt, wie der Deutschlandfonds private Investitionen mobilisieren soll – und welche Hürden bei Industrie, Energie und Start-ups noch bremsen.

Von Vera König

Er ist Teil der groß angelegten staatlichen Investitionsoffensive. Der Deutschlandfonds, den Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD), Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) und KfW-Chef Stefan Wintels im Dezember 2025 vorstellten, soll Unternehmen helfen, in Deutschland zu investieren. Die staatliche Förderbank KfW koordiniert und ist Ansprechpartnerin für die Investorenberatung.

Der Deutschlandfonds ist Ende 2025 mit großen Erwartungen gestartet. Der Fonds soll mit rund 30 Milliarden Euro staatlichem Geld bis zu 130 Milliarden Euro an Investitionen auslösen. Sehen Sie bereits, dass das funktioniert?

Stefan Wintels: Mit dem Deutschlandfonds haben wir gemeinsam mit dem Bund einen Rahmen geschaffen, der es privaten und kommunalen Unternehmen deutlich erleichtert, in großem Umfang zu investieren. Unser Fokus liegt zu Beginn gezielt auf Industrie und Mittelstand, Energieversorgungsunternehmen sowie Start-ups und Scale-ups – allesamt Schlüsselsektoren unserer Wirtschaft. Gerade in diesen Bereichen ist der Investitionsbedarf enorm, den die öffentliche Hand allein nicht stemmen kann. Der Ansatz, gezielt über Garantien, Kredite und Beteiligungen Anreize für privates Kapital zu schaffen, stößt am Markt bereits auf ein reges Interesse. Während sich die Zahl der formalen Zusagen noch im Aufbau befindet und das zugesagte Volumen naturgemäß noch nicht das gesamte Potenzial widerspiegelt, sind wir überzeugt – und erste Beispiele wie bei Quantum Systems oder den Rohstofffonds bestätigen dies –, dass der Hebel zur Mobilisierung privaten Kapitals künftig immer stärker wirken wird. Wir haben eine solide Basis gelegt, auf der wir jetzt zügig in den kommenden Jahren aufbauen können.

Sie haben den Deutschlandfonds als „wichtigen Impuls“ für mehr Investitionen bezeichnet. Wie zufrieden sind Sie mit der Umsetzungsgeschwindigkeit und Resonanz aus der Wirtschaft?

Wir beobachten ein sehr lebhaftes Interesse an den verschiedenen Instrumenten des Deutschlandfonds. Das gilt besonders für die Programme, die innovative Marktsegmente adressieren, beispielsweise die Tiefengeothermie oder das Scale-up-Direct-Programm für schnell wachsende Start-ups. Natürlich ist es so, dass marktnahe und neuartige Strukturen – wie wir sie nun erstmals in großer Breite anbieten – eine gewisse Anlaufzeit benötigen.

Warum?

Die Unternehmen und Finanzierer müssen sich mit den neuen Angeboten vertraut machen, die Verfahren sind anspruchsvoll und vielfach auf individuelle Situationen zugeschnitten. Dennoch bin ich mit der bisherigen Resonanz zufrieden. Unser Dialog mit der Wirtschaft und der Finanzindustrie zeigt, dass der Deutschlandfonds als relevante Plattform für Investitionen wahrgenommen wird und bei den Herausforderungen der Transformation einen echten Mehrwert bietet.

Welche Bereiche – etwa Industrie, Energieinfrastruktur oder Venture Capital – entwickeln sich bislang besonders dynamisch, und wo sehen Sie noch Nachholbedarf?

Wir sehen derzeit eine besonders dynamische Entwicklung im Bereich der Start-ups und Scale-ups: Das Instrument „Scale-up Direct“ verzeichnet eine gut gefüllte Projektpipeline. KfW Capital hat sich bereits mit 15 Millionen Euro Quantum Systems beteiligt. Auch der Bereich Energieinfrastruktur, speziell die Tiefengeothermie, stößt auf hohes Interesse, was angesichts der Komplexität solcher Vorhaben beachtlich ist. In der Industrie und im Mittelstand wurden bereits erste Zusagen im Rahmen des Rohstofffonds ausgesprochen. Gleichzeitig ist uns bewusst, dass noch großes Potenzial in der Ausweitung von Verbriefungen und der weiteren Erleichterung der Kreditvergabe steckt. Hier werden wir gezielt ansetzen und im Jahresverlauf zusätzliche Initiativen starten, um weitere Impulse zu setzen.

Der Fonds ist bewusst als Plattform mit verschiedenen Instrumenten angelegt. Funktioniert diese Konstruktion aus Garantien, Krediten und Beteiligungen bereits wie geplant oder gibt es strukturelle Hürden, die bremsen? Manche Kritiker bemängeln bürokratische Hürden, komplexe Förderstrukturen und eine teils zögerliche Beteiligung privater Investoren.

Als KfW sind wir mit der Vielfalt der Instrumente vertraut, aber natürlich bringt jedes Produkt eigene Anforderungen und Prozesse mit sich. Wir haben jedoch ausdrücklich einen Plattform-Ansatz gewählt, um flexibel auf unterschiedlichen Bedarf und Marktsituationen reagieren zu können. Tatsächlich gibt es Felder, in denen bürokratische Anforderungen und komplexe Strukturen noch zu Verzögerungen führen. Hier arbeiten wir eng mit unseren Partnern und den adressierten Zielgruppen zusammen, um die Abläufe weiter zu straffen und Hindernisse zu beseitigen. Unser Ansatz ist geprägt von einer kontinuierlichen Weiterentwicklung. Wir stehen im ständigen Dialog mit der Wirtschaft, um praktische Erfahrungen direkt in die Nachjustierung der Instrumente einfließen zu lassen. Ziel bleibt, Hürden rasch abzubauen, ohne das erforderliche Maß an Sorgfalt und Risikoprüfung aufzugeben.

Sie nehmen am Ludwig-Erhard-Gipfel 2026 teil und sprechen auf der Bühne über die Initiative. Was ist Ihre persönliche Motivation für die Teilnahme und welche konkreten Erwartungen verbinden Sie mit diesem Treffen für den weiteren Erfolg des Deutschlandfonds?

Der Austausch auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel ist für mich eine hervorragende Gelegenheit, mit führenden Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft über das Potenzial und die Weiterentwicklung des Deutschlandfonds zu diskutieren. Persönlich motiviert mich dabei vor allem, die Dynamik in Richtung innovativer, marktgerechter Investitionsfinanzierung voranzutreiben und Impulse für eine nachhaltige Transformation unserer Wirtschaft zu setzen. Vom Gipfel verspreche ich mir fruchtbare Anregungen und auch kritische Rückmeldungen, die uns als KfW helfen, unsere Instrumente passgenau weiterzuentwickeln und die Brücken zwischen öffentliche Förderung und privater Initiative noch stärker zu festigen.

Was ist aus Ihrer Sicht jetzt der entscheidende nächste Schritt, damit der Deutschlandfonds sein volles Potenzial für den Wirtschaftsstandort Deutschland entfalten kann?

Mein zentrales Anliegen ist, dass wir den begonnenen Weg gemeinsam entschlossen fortsetzen: Wir brauchen weiterhin Offenheit für innovative Ansätze in der Finanzierungslandschaft und die Bereitschaft aller Akteure – Politik, Wirtschaft und Finanzsektor –, die neuen Instrumente aktiv zu nutzen und weiterzuentwickeln. Nur so kann der Deutschlandfonds sein volles Potenzial entfalten und als Katalysator für neue Investitionen den Wirtschaftsstandort Deutschland nachhaltig stärken. Entscheidend ist dabei, Anregungen und Erfahrungen aus der Praxis aufzunehmen und bestehende Hürden gemeinsam Schritt für Schritt abzubauen. Ich bin überzeugt: Wenn uns das gelingt, schaffen wir ein zukunftsfestes Ökosystem für Investitionen, das unserer Volkswirtschaft langfristig neue Impulse verleiht.

Sie können den Ludwig-Erhard-Gipfel live unter https://www.leg-live.de/ verfolgen.

Tegernsee Summit: Der Ludwig-Erhard-Gipfel 2026

Ludwig-Erhard-Gipfel | Tegernsee Summit, findet vom 28. bis 30. April 2026 unter dem Leitthema „Zurück an die Weltspitze: Wie gelingt Deutschland der wirtschaftliche Aufschwung?“ statt. Die Konferenz gilt als etabliertes Forum für Debatten über die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands. Sämtliche Programmpunkte werden im Livestream auf der Website des Gipfels übertragen:

Mehr als 100 Speaker an drei Tagen

Gastgeber der dreitägigen Konferenz ist die Verlagsgruppe WEIMER MEDIA GROUP, Co-Veranstalter des ersten Tages ist die vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. Der Gipfel begeht in diesem Jahr seine 12. Auflage. Unter dem Motto „Zurück an die Weltspitze: Wie gelingt Deutschland der wirtschaftliche Aufschwung?“ sind mehr als 100 Speaker auf der Bühne zu hören, über 1000 Gäste werden erwartet. Die komplette Veranstaltung ist via Live-Stream auf www.ludwig-erhard-gipfel.de verfolgbar.

Nichts verpassen: Der kostenlose Newsletter der BÖRSE am Sonntag liefert Ihnen wöchentlich Marktanalysen, Unternehmensnews und Anlagestrategien direkt ins Postfach.
Jetzt kostenlos abonnieren!

bevorzugte Quelle 

Börse am Sonntag als bevorzugte Quelle festlegen

Sie möchten Finanz- und Wirtschaftsnachrichten von Börse am Sonntag häufiger bei Google sehen?

Bei Google bevorzugen

Ähnliche Artikel